Meine Zeit bei Ole Nydahl und dem Diamantweg

Der nachfolgende Beitrag soll aufzeigen, was das radikale Gedankengut eines buddhistischen Lehrers in einem bewirken kann. Die wenigsten spirituellen Schüler können wahrscheinlich zwischen der Privatpersonen und dem Lehrer Ole Nydahl unterscheiden – ganz besonders dann nicht, wenn sie jung, sehr offen und stark beeinflussbar sind. Die Autorin des Beitrags, Stephanie Mörchen, ist mit Ole Nydahl als spirituellem Lehrer aufgewachsen und somit auch mit seinen Sichtweisen über den Islam. Daher, so schreibt sie in einer Email, „bei mir war deswegen eine Angst und eine Abscheu vor den Menschen, die dieser Religion angehören, ganz normal.“ Die Autorin hat schließlich einen Ausweg gefunden, der sie „Jahre gekostet“ hat sowie „viel Übung in Bodhicitta, um diese Angst in Mitgefühl umzuwandeln und um zu verstehen, dass es ‚den Islam‘ nicht gibt.“ Inzwischen arbeitet sie als Deutschlehrerin für Geflüchtete. Angst hat sie „nicht mehr vor ihnen, sondern um sie.“


Ich will hier gerne meine Geschichte erzählen, nicht weil ich jemandem schaden möchte, sondern weil ich berichten möchte, in der Hoffnung anderen nützlich zu sein.

Ich bin im Tibetischen Buddhismus groß geworden und in der Ole-Sangha. 1980 geboren nahm meine Mutter 1981 Zuflucht. 1984 nahm sie mich mit nach Ródby, einem wunderschönen Ort in Dänemark mit einem Stupa, der mich damals bereits tief beeindruckt hat. Ich fühlte mich sofort zu Hause. Dort traf ich auch Lama Ole, der damals für mich nur Ole war, und den ich auch sofort, wie alles dort, mit meinem kindlichen Gemüt fest in mein Herz schloss. Meine ersten zusammenhängenden Erinnerungen sind aus dieser Zeit.

Ole wurde ein ständiger Begleiter unseres Lebens, war sogar bei uns zu Hause. Er weihte es zu einem kleinen Zentrum und er und die Menschen um ihn wurden zu einem festen Anker in einer Welt, in die ich nie so ganz hinein passte und die ich als sehr verwirrend empfand. 1995 machte ich meine ersten Phowa-Kurs und ab 1998 wurde ich auf jedem Kurs gesehen, der für mich erreichbar war und den ich mir damals leisten konnte. Es war eine traumhafte Zeit. Jung und fröhlich zog ich Leute an und diese mich. Sie waren meine zweite Familie, obwohl meine Eltern in dieser Zeit aus eigenen Gründen bereits Abstand von Ole nahmen. Ich selbst war dort unheimlich glücklich. Ole war für mich Vater, Ratgeber und bester Freund und ich liebte ihn von ganzem Herzen, liebe ihn immer noch für so Vieles.

Doch wie es so ist, als junger, von etwas allzu begeisterter Mensch, der jedes Wort seines Vorbilds einsaugt, war ich nicht nur für Dharma-Inhalte empfänglich. Ich kenne Oles Aussagen über den Islam mein ganzes Leben. Bereits Anfang der 90er verschärfte er seinen Ton und fing an seine Schüler davor zu warnen. Nach dem 11. September wurde er noch deutlicher. Er warnte uns vor der Religion und einer muslimischen Zukunft, die uns unsere Freiheit nehmen wird. Ganz besonders den Frauen. Mir hat das unglaublich Angst gemacht.

Ich fing an mich zu informieren, las die Scharia und Auszüge aus dem Koran, die zu Gewalt aufrufen. Und ich sprach darüber viel mit meinen Freunden, die alle ähnlich empfanden und wir liehen uns gegenseitig Bücher, damit wir auch alle gut informiert waren. Zeitung lesen wurde für alle ganz wichtig und alles was die Aussagen untermauerte wurde gesammelt, vor allem in unseren Köpfen. Doch die Informationen waren einseitig, stammten aus Büchern und hatten tatsächlich nichts mit unserer Erfahrungswelt zu tun. Die Muslims, die meinen Weg kreuzten, waren nicht so. Und doch misstraute ich ihnen, wollte sie nicht zu nah in mein Leben lassen und eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben. Ich war unglaublich paranoid.

© duncon c | freedom? | (CC BY-NC 2.0)

2003 verliess ich den Diamantweg. Ich würde gerne sagen aufgrund dieser Aussagen, aber die Wahrheit ist, dass es vor allem mit einer gescheiterten Beziehung, sowie dem Wunsch einen anderen buddhistischen Kurs einzuschlagen zu tun hatte. Zweites war, glaube ich, mein großes Glück. Denn obwohl ich nicht mehr bei Ole war, besuchte ich andere Kurse und versuchte weiter zu praktizieren. Ich las viele Bücher und habe andere sehr gute Lehrer gefunden.

Doch die wichtigste Praxis, die vor allem auch gegen meine Angst und Abscheu half, erklärte mir die Ehrwürdige Khandro Rinpoche: Tonglen, die Praxis für das Entwickeln von Mitgefühl.

Das Entscheidende im Mahayana-Buddhismus ist das Entwickeln von Bodhicitta. Dadurch fängt man an zu verstehen, dass wir jeden Feind im Außen in unserem Inneren erzeugen und dass jedes Wesen, egal welches, egal was es tut, Glück haben und Leid vermeiden möchte. Es gibt keine Ausnahme, keine Gruppe, niemanden, auf den dies nicht zutrifft. Religionen sind dazu gedacht den Menschen zu helfen. Aber Religionen werden von Menschen gelebt und es sind dann Menschen, die die Religion für ihre Zwecke missbrauchen.

Wie sollte es in der muslimischen Welt anders sein? Wie kann jemand mein Feind sein, der aus denselben Gründen leidet wie ich? Warum sollte ich jemanden ablehnen, nur weil er einer anderen Religion angehört und dort Sicherheit sucht?

Ich kenne jedes Argument, dass sich gegen den Islam ausspricht, ich kenne jedes, das für die Menschen spricht. Ich habe mich entschieden die Menschen zu sehen.

Menschen schaffen sich Feindbilder im Außen, dadurch entstehen Kriege. Wenn wir selbst dieses Feindbild erzeugen, sind wir nicht besser als der radikale Islam, vor dem so viele, sicher auch nicht unbegründet, Angst haben.

Das weiß ich heute.

Angst führt zu Zorn, Zorn führt zu Hass und Hass verblendet und verhindert Mitgefühl.

Wenn ein buddhistischer Lehrer vor einer Gruppe, einer Religion und den Menschen die dieser angehören warnt, macht das etwas mit einem. Es ist wie Gift, das sich im Kopf und im Herz festsetzt. Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die dafür empfänglich war. Vielleicht gibt es Leute, die differenzieren können, ich konnte das nicht, nie. Auch mein Umfeld hatte genauso Angst wie ich.

Wir entscheiden uns Buddhisten zu sein, weil wir bessere Menschen sein möchten und einen Sinn suchen, wir suchen einen Anker auf unserem Weg. Im tibetischen Buddhismus ist unser Anker der Lehrer. Er ist unsere Sonne, die uns wärmt und der Mond der Kühlung verschafft. Er schützt uns, um nicht in unsere Verblendung zurückzufallen.

Wenn ich jedoch ängstlicher werde, statt ausgeglichener, wenn mein Zorn zunimmt und nicht ab, dann läuft etwas schief.

Ich habe Oles Worte Anfang der 2000er erlebt und sie haben dies bei mir bewirkt. Ich hatte 15 Jahre, um mich davon zu befreien. Andere hören das immer noch genauso. Nach der Flüchtlingswelle 2015 stelle ich mir die Angst und die Paranoia bei so manchem in dieser Gemeinschaft enorm vor. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich mich irre. Wenn nicht, so hoffe ich, dass meine Worte wenigstens einen Menschen erreichen.

Ich arbeite inzwischen als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. Angst habe ich nicht mehr vor ihnen, sondern um sie. Ihr Leben, nach all den schrecklichen Dingen die ihnen bereits passiert sind, ist hier nicht einfach. Auch sie haben Angst.

Hass ist nicht das was sie brauchen und er ist kontraproduktiv für jede Form der Integration. Wenn ein buddhistischer Lehrer diesen Hass schürt, hat er seine Arbeit schlichtweg nicht gut gemacht. Ich kreide dies Ole nicht an, denn ich glaube, auch er hat tatsächlich Angst. Das macht seine Worte jedoch für jeden, der wie ich damals ein offenes Ohr hat, noch eindrücklicher. Ich wünsche Ole von ganzem Herzen, dass er seine Angst los wird. Zu seinem Wohl und dem seiner Schüler.

Ich habe, nachdem ich 2003 ging, immer wieder den Kontakt zu meinen damaligen Freunden erneuert. 2011 sah ich Ole das letzte mal auf einem Kurs in der Nähe meines Wohnortes. Seine Worte hatten sich nicht verändert, die Worte seiner Schüler waren inzwischen noch um einiges schärfer.

Den Diamantweg zu verlassen war mit das Schwerste, was ich je getan habe. Die Einsamkeit in der Zeit danach war eine unendlich schmerzhafte Erfahrung. Ich verlor meine Freunde, meine Familie. Und doch weiß ich heute, dass ich für mich die absolut richtige Entscheidung getroffen habe. Wo wäre ich heute, wie wäre ich, wenn ich nicht gegangen wäre?

Ich habe dies heute, am Guru Rinpoche Tag aufgeschrieben, mit dem Wunsch, dass es zum Wohle und zum Besten aller Wesen ist. Mögen alle Wesen Glück und die Ursache von Glück finden. Mögen sie frei von Leid und der Ursache von Leid sein. Mögen sie nicht vom wahren Glück, welches ohne Leid ist, getrennt sein. Mögen sie in großem Gleichmut verweilen, frei von Ablehnung und Anhaftung.

Mit den besten Wünschen,
Stephanie Mörchen

Meine Zeit bei Ole Nydahl und dem Diamantweg
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42 Gedanken zu „Meine Zeit bei Ole Nydahl und dem Diamantweg

  • 22. Juli 2018 um 18:10
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    Das nenne ich jetzt mal einen echten Erfahrungsbericht… – Ich sehe diese wellenartig auflaufende Angst auch bei mir. – Silvester 2015 war z.B. komplett Land unter.

    Aber ich sehe bei mir nicht, daß diese Angst Haß zeugt, sie zeugt vielmehr noch mehr Angst und immer größere Angst. – Und dieser komme ich nicht bei, in dem ich die Angst der Menschen nicht ernst nehme, keine Konzepte anbiete, derartig fundamentale Trennungen zu überwinden.

    Und ich vermag zwar zu sehen, daß wir als Westen uns seit Jahrhunderten auf einem Weg befinden, der irgendwann einen ‚äußeren‘ Feind hervorrufen mußte, weil wir als kollektiv innerlich zuvor die entsprechende Vorarbeit geleistet haben, dennoch vermag ich es nicht, mit dieser Logik an jeden Einzelfall, der in der Welt draußen nunmal passiert, heranzugehen. – Nicht bei den Christenmorden von Boko Haram, nicht bei dem göttlich inspirierten Bluträuschen des IS und auch nicht bei Frauen, die hierzulande Begegnungen erleben, die sie sich so gewiß nicht erwünscht haben.

    (Eine Pfarrerin in Freiburg ging gar so weit, den Tod der Flüchtlingshelferin Maria mit der Hingabe der Gottesmutter Maria an den Willen Gottes zu vergleichen. – Das geht mir alles zu weit, das überstrapaziert meine Opfer- und Hingabebereitschaft doch sehr…)

    Es gibt ein persische Fabel, die mir in diesem Zusammenhang neuerdings immer häufiger in den Sinn kommt:

    ‚Die Fabel von dem Frosch und dem Skorpion.‘

    https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/koehlmeiers-maerchen/maerchen-michael-koehlmeier-der-frosch-und-der-skorpion100.html

    (Ich kannte sie bislang nur in ihren Grundzügen, ihre vielen Verschachtelungen stimmen nicht unbedingt fröhlicher…)

    Ja, jedes Wesen, egal welches, egal was es tut, möchte Glück haben und Leid vermeiden, da gibt es keine Ausnahme, keine Gruppe, niemanden, auf den dies nicht zutrifft.

    Doch die Strategien, die jedes Wesen, jedes Kollektiv, für sich erschaffen hat, sein eigenes Glück zu mehren, das eigene Leid zu minimieren, sind nicht nur verschieden, sie stehen nur allzu häufig dem Glück anderer entgegen oder rufen bei ihnen unmittelbar Leid hervor.

    Ein Wolf ist ein Wolf und ein Schaf ist ein Schaf und ein Frosch ist ein Frosch und ein Skorpion ein Skorpion, wenn wir diese Ebene nicht gemeinsam transzendieren kommt es unweigerlich zu dem Clash, den Leute wie Ole sehen und vor dem sie in mehr oder minder behutsamer Art uns versuchen zu warnen.

    Aber Du hast dahingehend recht: Da wir es aktuell nicht wirklich in der Hand haben, am großen Räderwerk zu drehen, das zur Manifestation Drängende aufzuhalten, haben wir es nur in der Hand, an unseren kleinen Stellschrauben zu drehen und uns selber innerlich von den Ursachen des Leides zu befreien.

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  • 25. Juli 2018 um 17:02
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    Auf der Basis des obigen Artikels gab es einen längeren Email-Wechsel. Aus einer Email darf ich nachfolgend zitieren. Der erwähnte Artikel wird für diesen Blog ins Deutsche übersetzt und baldmöglichst veröffentlicht

    Ich habe gerade den Artikel »Guru/disciple relationship dynamics and attachment traumas« gelesen. Mir ging dabei einiges durch den Kopf, wenn ich es Dir aufschreibe, hilft mir das, dies klarer zu sehen. Oles Stärke besteht darin, den Stolz seiner Schüler zu aktivieren. Er gibt ihnen das Gefühl etwas Besonderes zu sein. Diese Stärke nutzt er jedoch, weil die eigentliche Schwäche der Schüler Minderwertigkeitskomplexe sind. Ich habe mich immer gefragt, ob ich der Einzige war, der das so wahrgenommen hat, aber Ole war wie eine Droge. Nur mit ihm in der Nähe erfuhr ich Glück, im Alltag war es nicht haltbar. Deswegen funktioniert diese Parallelgesellschaft auch so gut. Dieses System durchschaue ich aber bis heute nicht ganz und warum das so ist. Aber wohl deswegen liegen ihm z.b. die Frauen so zu Füßen. War man auserwählt, so hatte man die Bestätigung tatsächlich etwas Besonderes zu sein. Das da noch 500 andere waren störte nicht. Man wollte zur Elite gehören. Bei den Männern waren es wichtige Aufgaben. Diese waren unglaublich stolz, wenn sie von Ole den Auftrag bekamen den Diamantweg irgendwo zu vertreten. Ole gab das nie als seine Idee aus, sondern gab den Leuten das Gefühl es wäre ihre eigene. Vielleicht war es das sogar. Dadurch setzen sie da aber wirklich ihre ganze Energie ein.

    Was ich hier bemerkenswert finde ist, das hier ein bestimmtes Muster erkennbar wird, das relevant für ungesunde Lehrer-Schüler-Beziehungen besonders im Westen zu sein scheint und auch im Artikel von Vaillaint Gicqueau beschrieben wird: Am Anfang steht die Idealisierung des Gurus hin zu etwas Reinem, Jenseitigen, Heiligem. Hat der Schüler Minderwertigkeitsgefühle, wird die Identifikation mit etwas Erhöhten, Besseren, Heiligen eine Methode, diesen Minderwertigkeitsgefühlen zu entfliehen. Zugehörigkeit zur Gruppe, Identifikation mit dem besonderen Guru, besondere Aufgaben, besonderer Bedeutung, einer besonderen Rolle usw. erhebt einen selbst. Gibt das Idol dann einem Zuwendung und Aufmerksamkeit oder eine wichtige Aufgabe oder Funkion innerhalb der Organisation, fühlt man sich anerkannt und ernst genommen – gesehen. Man ist offensichtlich gar nicht so schlecht, wie es einem (in Abhängigkeit fehlendem Selbstwerts oder fehlendem Selbstvertrauens) erscheint. Die Minderwertigkeitsgefühle werden dadurch aber nicht an der Ursache beseitigt und überwunden, sondern nur umschifft – ein schwaches, sich minderwertig fühlendes Selbst wird durch die Identifikation mit einem großartigen Selbst des Führers und seiner ganz großartigen und besonderen Bewegung – der Elitegruppe – aufgewertet. Damit bleibt man aber psychologisch – im Sinne von Anerkennung, Gesehen werden, Bedeutung oder einen Sinn im Leben zu haben – vom Führer und der Zugehörigkeit zur Gruppe abhängig.

    Die Zusammenhänge, Dynamiken sind noch komplexer, das erst mal nur als Gedanken dazu.

    Im Buddhismus gilt grundsätzlich die Geisteshaltung von Stolz als unheilsam und als großes Hindernis auf dem spirituellen Weg. Stolz blockiert Mitgefühl und die spirituelle Entwicklung. Während Minderwertigkeit die eigenen Fehler übertreibt und vorhandene Qualitäten nicht (oder kaum) wahrnimmt und sich anderen gegenüber geringer fühlt, übertreibt Stolz die scheinbaren, eingebildeten oder vorhandenen Qualitäten, sieht kaum oder gar nicht die eigenen Fehler und fühlt sich anderen überlegen (und als Folge sieht der Stolze auf Andere als ihm Unterlegen herab). Stolz und Minderwertigkeit sind unrealistische Geisteshaltungen, die leidverursachend und daher, so wird im Buddhismus gelehrt, aufzugeben sind. Gesundes Selbstvertrauen hingegen, nimmt die eigenen Fehler und die eigenen Qualitäten wahr, ohne das Eine oder das Andere zu leugnen, vorhandene Qualitäten und Fehler nicht zu sehen oder diese zu übertreiben.

    Nimmt man dieses Verständnis als Grundlage der Betrachtung und angenommen man hat einen narzisstischen Lehrer, der sich gerne im Selbstglanz sonnt und Schüler, die ihn (oder sie) unkritisch-anbeten oder anhimmeln und dann noch ihn (oder sie) als idealisierte Projektionsfläche nutzen, um eigenen Minderwertigkeitsgefühlen oder Gefühlen von Bedeutungslosigkeit zu entfliehen, kann man sich glaube gut die fatalen Folgen solch einer Beziehung ausmalen … Die Dynamiken bringen hochwahrscheinlich einen Super-Narzissten hervor und eine Schülerschaft, wo beide Seiten unfähig zur Selbstkritik sind oder auf Kritik allergisch-abwehrend, unterdrückend oder aggressiv reagieren. (Das Verhalten von Donald Trump und das vieler seiner Unterstützer kann man hier mE gut als Anschauungsbeispiel nehmen.)

    Anzumerken wäre noch, dass Tibeter generell eher gar keine Probleme mit Selbsthass oder Minderwertigkeit haben sondern iR mit einem guten und gesunden Selbstvertrauen ausgestattet sind. Daher werden sie diese Dynamiken iR weder verstehen noch aus eigener Erfahrung kennen … oder im Wissen darum besonders besonnen reagieren.

    Ein weites Feld. Das nur als erste Gedanken dazu.

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    • 25. Juli 2018 um 21:56
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      Noch als Nachtrag zu dem Kommentar. Mir wurde berichtet, dass Ole gesagt habe, man müsse nicht studieren, seine Überlieferung und er als Lehrer würden ausreichen. Solch eine Aussage halte ich für fatal. Nicht nur weil Ole dann der absolute Herrscher über das vermittelte Wissen ist, sondern vor allem, weil fundiertes Wissen im Dharma essenziell für die Praxis des Dharma ist. Nachfolgend füge ich mal einen Auszug zu Stolz aus den Schriften (Lorig) ein. Wer das liest und darüber nachdenkt – vor allem die praktischen Implikationen auf die Schulung des Geistes – wird vielleicht leichter verstehen, warum eine solche Aussage von Ole regelrecht gefährlich für die Praxis ist. Im schlimmsten Fall gedeihen nämlich die Klesha nur so im Geist und man bekommt es nicht mal mit. Wie eben zB Stolz, eine der 6 Wurzelverblendungen.

      Stolz (skt.: mana; tib.: nga rgyal)

      Das Abhidharmasamuccaya sagt:

      Frage: Was ist Stolz?
      Antwort: Sie ist ein Aufgeblasensein des Geistes in Abhängigkeit der Sichtweise der vergänglichen Ansammlung. Sie hat die Funktion Nicht-Respekt und Leiden zu unterstützen.

      Yeshe Gyaltsen:

      Sie ist ein mentaler Faktor, der den Aspekt einer Aufgeblasenheit des Geistes hat, basierend auf der Beobachtung der Basis von Aufgeblasenheit – des eignen Reichtums, Qualitäten, usw.

      Je Tsongkhapa sagt im Lam Rim Chen Mo („Die große Darlegung der Stufen des Pfades“):

      Stolz gründet sich auf der Sichtweise der vergänglichen Ansammlung und ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, basierend auf der Beobachtung äußerer und innerer Phänomene die niedrig oder hoch, gut oder schlecht sind; sie bringt den Aspekt des Hochmutes mit sich.

      Jede Art von Stolz entsteht in Abhängigkeit der angeborenen falschen Vorstellung vom Selbst. Stolz wird in sieben Arten unterteilt:

      1. Stolz
      2. Stolz des Übertreffens
      3. Stolz jenseits des Stolzes
      4. Stolz des Denkens „Ich“
      5. Stolz der Eitelkeit
      6. Stolz der leichten Unterlegenheit
      7. falscher Stolz
      1. „Stolz“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man höher gegenüber niedrigeren Personen ist.
      2. „Stolz des Übertreffens“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man höher gegenüber Gleichen ist.
      3. „Stolz jenseits des Stolzes“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man selbst gegenüber höheren Personen weitaus großartiger ist.
      4. „Stolz des Denkens ‚Ich'“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, ‚Ich‘ innerhalb des Beobachtens der angenommenen Aggregate.
      5. „Stolz der Eitelkeit“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man etwas erlangt hat, dass man nicht erlangt hat.
      6. „Stolz der leichten Unterlegenheit“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man selbst nur ganz gering niedriger ist gegenüber denen, die in Wirklichkeit weitaus höher [überlegener] sind.
      7. „falscher Stolz“ ist eine Aufgeblasenheit des Geistes, die denkt, dass man exzellente Qualitäten erlangt hat, obwohl man in Wirklichkeit völlig irregeleitet ist. Ein Beispiel dafür ist der Dünkel darüber exzellente Qualitäten erlangt zu haben, während man man in Wirklichkeit von einem Geist besessen ist. Auch die Schriften der Disziplin sagen: „stolz zu werden auf das, was in Wirklichkeit ein Zweig der Schande [Scham] ist …“ Dies wäre zum Beispiel eine ordinierte Person, die die festgelegten Grenzen der Vinaya vernachlässigt hat, so als wäre sie eine Laienperson, und dann dünkelhaft denkt, sie würde anderen nutzen obwohl sie aus Anhaftung an Besitz und Ehre gehandelt hat.

      Diese sieben Definitionen entsprechen der „Schatzkammer des Wissens“ (Abhidharmakosha) von Vasubandhu. „Die Kostbare Girlande“ von Nagarjuna gibt eine leicht unterschiedliche Erklärung (Verse 5.6cd-12).

      Stolz hat die Funktion, jede neue Erlangung des Dharmas der Schriften und Realisationen zu verschleiern wegen des Nicht-Respekts gegenüber jenen, die exzellente Qualitäten besitzen. Er verursacht niedere Geburt in zukünftigen Leben, und selbst, wenn man als Mensch geboren wird, wirkt er als Ursache für eine Geburt in niedriger sozialer Stellung, wie z.B. als Diener usw. Stolz erzeugt also unerfreuliches in diesem und zukünftigen Leben.

      „Die Kostbare Girlande“ [von Nagarjuna] (Verse 1.17cd-18) sagt:

      Durch Aufgeblasen sein kommt eine schlechte Abstammung,
      Durch Eifersucht geringe Größe.

      Durch Wut kommt ein verfärbtes Gesicht, und
      Durch das Nichtbefragen von Weisen Dummheit.
      Dies sind die Resultate für Menschen,
      Aber all diesen geht eine niedere Geburt voraus.

      „Die Stufen des Pfades zur Erleuchtung“ sagen:

      Da Stolz das größte Hindernis ist, um den Pfad in diesem Leben zu entwickeln und da Stolz eine Ursache ist ein Diener usw. in zukünftigen Leben zu werden, gib ihn auf.

      (aus Yeshe Gyaltsen’s Lorig)

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  • 26. Juli 2018 um 11:34
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    Viel las ich auch über diese unheilsamen Strukturen in der Rigpa-Sangha. Ich frage mich oft, warum das bei der Ole-Sangha keiner sieht, bzw. da eher wenig Negatives kommt von ehemaligen Schülern. Vielleicht weil es einem immer als Schwäche untergejubelt wird, wenn man ihn in Frage stellt. Das funktioniert dort sehr gut durch Suggestion. Es ist immer die eigene Wahrnehmung, die als falsch angesehen wird und der Gedanke, das alles im eigenen Geist geschieht wird finde ich dafür als Argument missbraucht. Der Schüler projeziert das Unreine in den Lehrer. Der Lehrer ist aber unangreifbar und perfekt und kann tun was er will. Gegen diese Argumentation anzustehen ist genauso schwer wie mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren. Ich fand da den Artikel über die Kommunikationsstrategien sehr gut. Da habe ich viel gefunden, von dem ich denke, dass es auch innerhalb der Gruppe angewandt wird.

    Ich glaube was Ole immer geschützt hat, war dass seine Absicht tatsächlich gut ist. Er will den Wesen wirklich helfen und kommt gar nicht auf die Idee, dass er bei manchen auch schaden könnte.

    Auch ist ihm denke ich die Aufgabe irgendwann entglitten, weil die Gruppe so groß wurde. Ich habe das ja erlebt, wie plötzlich aus 200 Leuten 2000 wurden innerhalb von nicht einmal 10 Jahren. Da hat er wohl die Übersicht verloren, zu wem er da eigentlich spricht. Er spricht heute ja noch so, als würde er bei den Leuten im Wohnzimmer sitzen. Nur ist da inzwischen auch niemand mehr, der widerspricht. Und Ole klang zumindest 2011 für mich wie eine Schallplatte. Er spult seit 40 Jahren das gleiche Programm ab und es hat sich so in seinem Kopf festgesetzt, dass er es gar nicht mehr hinterfragt. Und seine Schüler widersprechen nicht, weil sie seit 40Jahren das selbe hören und diese Worte inzwischen ihre Wirklichkeit wurden.

    Jedoch das ständige Wiederholen, egal ob buddhistischer Inhalt oder Islam macht natürlich ganz entscheidend auch etwas mit dem Zuhörer. Ich hinterfragte es irgendwann selbst nicht mehr, oder habe es von vornherein nicht und denke man wird dadurch suggestiv einer Hirnwäsche unterzogen. Da half mir auch der Hinweis nicht, dass man immer prüfen soll. Was Ole, das möchte ich fairerweise sagen, immer gesagt hat. Doch wie könnten seine Worte fehlerhaft sein, wenn ich die reine Sicht halten soll. In bestimmten Bereichen überlege ich heute noch, ob das was ich weiß von für mich authentischeren Lehrern stammt, oder Oles Art des Dharma. Die reine Sicht auf den Lehrer halten ist ein gutes Beispiel. Da gibt es so vieles, was sich später als nicht ganz wahr herausgestellt hat. Was schwieriger war für mich aufzudröseln, als wenn es nur falsch gewesen wäre.

    Was bei seinen Schülern dadurch aber auch entstehen kann ist eine gewisse Paranoia. Man muss ja dauernd beweisen, dass man die reine Sicht hält und glücklich ist. Wenn man Zweifel hat wird das unterdrückt und weggedrückt. Ist da aber jemand, der diese freilegt und hinterfragt, wird er sofort als Gefahr wahrgenommen. So kenne ich das zumindest bei mir. Man überlegt dann sehr genau, wen man überhaupt an sich heran lässt und wird allen Außenstehenden gegenüber misstrauisch. Das stärkt wiederum das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe enorm. Aber damit das funktioniert braucht man einen Feind im Außen, sonst würde diese ganze misstrauische Energie sich in die Gruppe lenken. Das ist meine Überlegung dazu, warum ich mich so auf den Islam eingeschossen hatte.

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    • 26. Juli 2018 um 12:03
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      Danke Stephanie für die Einsichten. Ich wusste nicht, dass das mental hier ähnlich abläuft wie in den Gruppen wo ich war (Ganden Tashi Choeling / Lama Dechen und Neue Kadampa Tradition / Geshe Kelsang Gyatso). Bei Rigpa und Shambhala gibt es sicher ganz ähnliche Muster, die alle auf dem Vajrayana Konzept der Reinen Sicht basieren.

      Für Neu-Interessierte, eher Uninformierte, nicht gut ausgebildete Schüler ist das einfach kreuzgefährlich, weil es die Wahrnehmung tatsächlich vorhandener Fehler, die der Lehrer wirklich hat, unterdrückt, die eigene Wahrnehmung als unzuverlässig erscheinen lässt, zu Selbstmanipulation führen kann und in der Gruppendynamik zu einer kollektiver Verzerrung der Wirklichkeit. Der resultierenden kognitiven Dissonanz, hervorgegangen aus dem Spannungsfeld des vorgestellten Ideal eines erwachten Lehrers und der Realität, das er dann doch nicht so erwacht oder ideal sondern auch ein Mensch mit Fehlern ist, wird sich dann nicht konstruktiv-auflösend gestellt, sondern mittels der Reinen Sicht, werden die Schattenseiten und Fehler des Lehrers geleugnet, als Projektionen des eigenen „unreinen Geistes“ wegerklärt und eine Parallelwelt zur wirklichen Welt erzeugt, in der alle Fehler immer beim Schüler liegen und der Lehrer unangreifbar „rein“ über allem thront. Diese verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit wird dann kollektiv aufrechterhalten und wer dazu gehören will, kein Ausgeschlossener sein will, beugt sich dann dieser Sicht oder wird ermahnt, Zweifel – die dann als unheilsam und großes Hindernis erklärt werden – abzulegen und „Vertrauen“ zu haben. Und natürlich, weil kein Wissen vorhanden ist, keine gute Ausbildung, kein Studium, wissen die Schüler nicht, dass Zweifel durchaus angemessen sein können und Vertrauen sich auf tatsächlich vorhandene Qualitäten beziehen sollte. (Es wird noch komplexer in Verbindung der drei Fahrzeuge… aber Vajaryana fusst ja in und auf den Grundlagen und die sind wohl bei den meisten Ole Schülern völlig unbekannt, so dass Begriffe und deren Bedeutungen wie „Vertrauen“, „Zweifel“, „Reine Sicht“, „Guru Yoga“ potenziell oberflächlich verstanden werden und der Selbstmanipulation der Schüler oder der Manipulation der Gruppenwirklichkeit dienen können. Umso fataler ist es, dass Ole ausgesagt haben soll, man bräuchte nicht studieren, denn was er sagt und seine Linie seien ausreichend.)

      Soweit mir nun bekannt, auch wenn der Guru Yoga auf den 16. oder 8. Karmapa ist, gibt Ole Erlaubnis, wenn seine Schüler keine Beziehung zum 16. Karmapa haben, Guru Yoga mit Ole als zentralem Guru zu machen. Über Ole dann als Buddha (Vajradhara) zu meditieren, verstärkt dann die oben beschriebenen (möglichen) Mechanismen.

      Die Reine Sicht auf den Lehrer zu halten ist, so wurde mir berichtet, „der Grundpfeiler auf dem der Diamantweg steht.“

      In Bezug auf die Wiederholungen, die nicht mehr hinterfragt werden, aus dem Deutschunterricht fällt mir zur Textanalyse ein: „Wiederholung bewirkt Verstärkung“. Dasselbe immer wieder zu wiederholen, kann einen Aufruf zum Prüfen eher obsolet oder zum Feigenblatt machen. Das kritische Hinterfragen müsste zudem vorgelebt werden und am besten, beim sich selbst Hinterfragen angefangen. Ich vermute, oberflächliches Verständnis, Wunsch der Bindung der Leute an den Diamantweg („Rekrutierung“) und Halten der Leute in der Gruppe, ein Mangel an Differenzierung verbunden mit einfachen schwarz-weiß Bildern, Identifizierung mit Anführer und Gruppe, Elitedenken und Sektierertum bringen ähnliche sektenähnliche Dynamiken hervor, wie ich sie in 2 buddhistischen Gruppen erlebte, die ich ganz klar als „Sekte“ bezeichne (was ich bisher in Bezug auf den DW nicht getan habe). Bei sog. „Sekten“ ist man immer im Bereich der Unschärfe. Es ist alles halb wahr, nicht total falsch aber auch nicht 100% richtig, sondern leicht oder grob verdreht. Die (scheinbar) gute Motivation der Leute – die ja wirklich etwas Gutes für einen wollen – macht es zusätzlich schwer, das Ganze kritisch zu hinterfragen. (Ich schreibe „scheinbar“, denn falls die Motivation auf Sektierertum basiert: wir die Besten und die Guten, die anderen nicht so, ist keine wirkliche Motivation, die sich am Wohl und den Kapazitäten der anderen orientiert sondern eher egoistisch oder narzisstisch. Eine sektiererische Rektrutierungsmotivation wurzelt letztlich in Anhaftung, Aversion, Stolz und Egoismus und nicht in Weisheit und Mitgefühl.)

      Nun werden mir langsam die inner-psychologischen Dynamiken und Sichtweisen klar, auf dem das Modell der Diamantweg Bewegung gründet. Einiges was ich bisher nicht verstand, wird mir nun klarer.

      In jeden Fall danke für das Teilen dieser Einsichten, Stephanie!

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  • 8. August 2018 um 12:21
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    Es gibt mehrere Updates:

    Recherchen zweier Journalisten führten zu einem längeren, kritischen Artikel zu Ole Nydahl im Zusammenhang mit von ihm neu gemachten Aussagen während des gegenwärtigen Sommerkurses im Europazentrum des Diamantwegs in Immenstadt.

    Details:
    https://m.augsburger-allgemeine.de/bayern/Wie-ein-buddhistischer-Populist-Tausende-ins-Allgaeu-lockt-id51832616.html

    Die Aussage, die Nydahl getroffen haben soll: „Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.“¹ führt zu Entsetzen lokaler Politiker:

    LAMA LÖST EMPÖRUNG AUS

    Reaktionen: Oberallgäuer Politiker sind über islamfeindliche und rechtspopulistische Aussagen entsetzt und fordern eine Prüfung, ob es sich um strafbare Volksverhetzung handelt. Staatsanwaltschaft leitet Verfahren ein…

    Details:
    https://www.pressreader.com/germany/allgäuer-zeitung-kempter-tagblatt/20180808/281505047041329

    In einer Pressemeldung heißt es:

    Immenstadt (Lkr. Oberallgäu): Die Staatsanwaltschaft Kempten hat Ermittlungen gegen den Buddhisten-Prediger Lama Ole Nydahl eingeleitet. Grund ist die Aussage des Vertreters des Diamantweg-Buddhismus vor mehr als 1.000 Zuschauern: „Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.“ Bei einem Sommerkurs im Europazentrum der Diamantweg-Buddhisten in Immenstadt hatte sich der 77-Jährige Nydahl außerdem mehrfach abfällig über den Islam geäußert und rechte politische Bewegungen gelobt. Man „überprüfe derzeit die strafrechtliche Relevanz“ der Äußerungen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Kempten, Susanne Fritzsche, dem Bayerischen Rundfunk.


    ¹ Wichtiger Hinweis und Korrektur: Ole Nydahl hat das so, wie von der Augsburger Allgemeinen wiedergegeben, nicht gesagt. Deshalb habe ich es am 17.10.18 durchgestrichen. Was er wirklich gesagt hat, entnehme man bitte folgender Stellungnahme von Ole Nydahl vom 15.10.18. (Eine kurze Kritik zu Aspekten der Stellungnahme habe ich hier geschrieben.)

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  • 11. August 2018 um 14:11
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    Endlich passiert etwas! Ein „Freund“ aus der Sangha in Luzern (CH) hat mich vor ein paar Jahren darauf hingewiesen schön zu schweigen, bzw. auf meine Frage die ich stellen wollte im EC vor circa 3000 Leuten, was Karmapa zu Ole’s islamfeindlichen Äusserungen meint, hat dieser „Freund“ zuerst gefragt warum ich Ole diskreditieren will und anschliessend erklärt weshalb Flüchtlinge mit ihrem Karma besser dort bleiben wo sie sind (!) Ich erklärte ihm wie gefährlich es ist, wenn es Ole Schlüler gibt, die seine Worte eins zu eins übernehmen und quasi nicht selber denken sonder nur folgen. Da war seine Antwort, diese Leute können wir hier sowieso nicht gebrauchen, die bleiben am besten gleich weg. Dabei gibt es soviele Schüler, die nur das machen was Ole sagt, für fast jede Entscheidung Ole fragen… (!) Mein Vertrauen war zutiefst erschüttert. Fassungslos habe ich den Kurs verlassen und bin anschliessend sofort ausgetreten.

    Es ist höchste Zeit das hingeschaut wird!

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  • 12. August 2018 um 13:42
    Permalink

    Ich war hier in der letzten Zeit als stiller Mitleser unterwegs, habe jetzt aber doch eine Frage aus Anlaß von Claudias Posting? Welcher Karmapa? Mein Wissen beschränkt sich leider auf die englischen und deutschen WP-Artikel zum Thema. Tenzin, auch wenn ich ahne, dass das ganze zu weit führen wird, aber könntest Du bei Gelegenheit dazu vielleicht doch etwas schreiben?
    Danke!

    Antworten
  • 17. August 2018 um 09:14
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    Liebe Stephanie, Danke für das Teilen Deiner Erfahrungen mit Ole Nydahl und der Sangha. Schön zu lesen, dass es Dir gelingt den Lama und seine Arbeit zu schätzen, obwohl Du eine für Dich angenehmere „Heimat“ gefunden hast.
    Möchte gerne ergänzend erwähnen, dass die Vielzahl der Migranten in unserem Land bei mir keine Angst auslösen. Es könnte nach deinem Bericht der Eindruck entstehen, wir, die SchülerInnen von Lama Ole, hätten wegen großer Ängste eine kritische Haltung zum Islam. Nun ist es ja so, dass nicht alle Menschen, die sich im Diamantweg zu Hause fühlen die gleiche politische Meinung haben. Schön zu lesen, dass Du Migranten, die dazu bereit sind, Deutsch beibringen kannst. Sicherlich eine sinnvolle Aufgabe. Meinst Du, dass Ole diese Tätigkeit nicht schätzt? Ich habe viele Jahre auch mit Moslems gearbeitet und nicht zuletzt in dieser Zeit eine klare Haltung zum Islam entwickelt. Zu glauben, dass dieses eine friedliche Religion sein, greift m.E. viel zu kurz. Der sogenannte „Hassprediger“ ist doch eher die Regel als die Ausnahme. Möchtest Du als Frau in einem Land leben, wo die Scharia das Gesetz ist? Möchtest Du nicht die Freiheit der Frauen, nicht zuletzt der Frauen, die vor dem Islam geflohen sind, schützen? Sollte dem so sein, dann verfolgst Du doch ähnliche Ziele wie dein Zufluchtslama. Mögest Du weiterhin freudvoll deinen Weg gehen!

    Antworten
    • 18. August 2018 um 14:34
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      Lieber Michael,

      es liegt mir fern alle über einen Kamm zu scheren. Es gibt im Diamantweg ganz wundervolle Menschen, die praktizieren und sich sehr mit dem Dharma beschäftigen. Ich habe immer noch sehr, sehr liebe Freunde dort.

      Aber die Augen zu verschließen, dass es eben auch die Islamfeindliche Haltung gibt halte ich schlicht für falsch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ole mich als erstes fragen würde, ob es nicht eine andere Möglichkeit gäbe Geld zu verdienen. Er würde es denke ich tatsächlich nicht gut heißen.
      Mir wurde auch von Ole-Schülern vorgeworfen, dem Islam zu helfen uns zu unterwandern.

      Ich denke nicht, dass alle diese extreme Haltung gegenüber Muslimen haben, aber es gibt in dieser Gruppe sehr, sehr viele. Dabei geht tatsächlich das meiste nach meinem heutigen Wissen auf Halbwahrheiten und Pauschalisierungen zurück.
      Ein Beispiel wäre die Beschneidung der Frauen. Ein kulturelles Problem und eine unsitte, die bereits im alten Ägypten durchgeführt wurde. Sie wird heutzutage nicht nur von Muslimen, sondern auch von anderen Religionszugehörigen durchgeführt, dies wird jedoch gerne unterschlagen. Es wird einfach gerne als Argument gegen den bösen Muslim missbraucht.

      Die Freiheit der Frauen fängt in ihren Köpfen an. Weißt du wie viele Frauen Angst haben nach draußen zu gehen, weil sie wegen ihrem Kopftuch schief angeschaut werden? Ja, davor möchte ich meine Schülerinnen schützen. Es hat auch nichts mit einer persönlichen Meinung für und wider das Kopftuch zu tun. Eine Tibeterin zeigt niemals ihre Beine. Das empfindet sie als unschicklich. Es würde aber niemandem einfallen, sie zu einem kurzen Rock zu zwingen, weil es zu unserer Kultur gehört. Warum wird diese Debatte beim Islam dauernd geführt? Diese Dinge verstehe ich nicht und ich halte diese Debatten als viel bedrohlicher für unsere Freiheit und vor allem die meiner Schülerinnen, als die Gefahr, dass hier die Sharia eingeführt werden würde. Auch Pauschalurteile über schlechte Ehen ärgern mich. Die Ehen der einzelnen sind nicht besser oder schlechter als „deutsche“ Ehen. Tatsächlich kann ich mehr Beispiele unterdrückter Frauen in „deutschen“ Ehen vorweisen als in Muslimischen. (Angefangen bei Geldausgabe und die dazugehörige Rechtfertigung bis hin zu Gewalt innerhalb der Ehe.)

      Integration bedeutet nicht Assimilation, dass ist aber was viele verlangen. Der Islam wird in der heutigen Zeit zu oft mit Pauschalurteilen diffamiert und es wird vergessen, dass es einzelne Menschen sind.
      Gerade bei Ole-Schülern begegnet mir das einfach zu oft, als dass ich da noch wegsehen möchte. Und wenn die Schüler das selbst nicht sehen wollen, dann muss vielleicht mal jemand von außen kommen, der sie wachrüttelt. Vielleicht stelle ich mich da nicht besonders geschickt an, aber ich glaube wirklich und ich beobachte auch, dass da etwas sehr unheilsames im Gange ist im Diamantweg. Ich bin mir sicher, wenn du in dich gehst und überlegst wie über das Thema Islam innerhalb der Sangha gesprochen wird, dass ich nicht unrecht habe.

      Liebe Grüße Stephanie

      Antworten
      • 19. August 2018 um 00:35
        Permalink

        Liebe Stephanie, vielen Dank für die ausführliche Reaktion auf meinen Beitrag. Schön, dass Du noch alte Freunde aus der „Familie“ hast. Was Du islamfeindliche Haltung nennst, würde ich kritische Haltung zum politischen Islam nennen. Ja, ich denke, dass es viele SchülerInnen von Ole gibt, die diese teilen. Auch kann ich mir vorstellen, dass er Dir genau diese Frage stellen würde. Was aber nicht bedeuten muss, dass er die Arbeit nicht unterstützt. Natürlich ist auch Ole daran gelegen, dass Migranten, die integrierbar sind die Sprache gut lernen. Alles Andere wäre doch dumm. Ob Du dem politischen Islam hilfst sich hier stärker zu etablieren, kann ich nicht beurteilen. Aber, dass Du bei der Verstümmelung von Frauen auch von Beschneidung schreibst befremdet mich sehr. Es ist eine Verharmlosung von Gewalt an Frauen, die meist ein Leben an den Folgen leiden, wenn Sie das Massaker überhaupt überleben. Gute Literatur zu dem Thema ist bei Rüdiger Nehberg zu finden. Im Übrigen ein großer Freund des Islam. Die Praktik der Verstümmelung wir vor allem in islamischen Kulturkreisen vollzogen! Das im Mittelalter die Christen Frauen verbrannt haben, ist hier m.E. keine Rechtfertigung.
        Das Kopftuch zu tragen ist oft der Ausdruck eine politische Meinung nach Außen zu tragen und dementsprechend in freien Kulturen abzulehnen. Frauen die Beispielsweise in den Iran reisen tragen eines, also können Sie es in Europa doch abnehmen, es sei denn es regnet oder bei Frost. Natürlich soll eine Frau sich nicht fürchten müssen, weil sie ein Kopftuch trägt. Besser ist sie versteht, dass es auch ohne geht.
        Schlechte Ehen? Ich habe mich m.E. gegen Kinderehen und Zwangsverheiratung ausgesprochen. Natürlich gibt es bei den Moslems auch glückliche Ehen, so wie es bei den Christen, Buddhisten u.a. katastrophale Beziehungen gibt. Soll sogar bei den Kagyüs vorkommen. Darüber brauchen wir sicher nicht zu schreiben.
        Integration bedeutet nicht Assimilation. Mit der Aussage hat der islamische „Hetzer“ Erdogan Massen seiner Landsleute in Deutschland gegen jede Form der Integration gestellt. Sorry, aber hier kann ich Dir schlecht folgen.

        Ich finde, es geht bei der Frage nicht darum, ob Du etwas geschickt machst oder nicht. Mein Gefühl ist, dass Du sehr viel Mitgefühl für die MigrantInnen hast und von Ihren Schicksalen stark berührt bist. Dann denke ich, dass Du eine sinnvolle Arbeit machst und auch Recht hast, dass es unter vielen SchülerInnen Oles eine kritische Haltung zum Islam besteht. Aber es sind unterschiedliche Haltungen und Sichtweisen. Es geht nicht darum den anderen wachzurütteln. Obwohl ich Dir gerne sagen würde, erkennst Du nicht die Gefahren, die wir uns mit dem Islam ins Land holen? Sollten wir nicht zunächst versuchen die Moslems, die da sind zu integrieren? Sollten wir nicht zunächst die Hassprediger und sogenannten „Gefährder“ in Ihre Heimatländer zurückführen? Sollten wir nicht den Flüchtlingen, die vor dem Islam geflohen sind eine sichere Heimat bieten? So viele Fragen, aber kann ich Dich da „wachrütteln“?

    • 19. August 2018 um 02:18
      Permalink

      ’nicht zuletzt der Frauen, die vor dem Islam geflohen sind, schützen?‘

      Möchte wahrscheinlich jeder (und tut jeder, der sich auf etwas, wie die FDGO beruft und um deren Erhalt bemüht ist). Was passiert denn in dem Moment mit dem Glauben der Frauen, die vor ‚dem (bösen) Islam‘ geflohen sind? Muss sie erst abschwören, bevor ihre Freiheit geschützt wird?

      Antworten
      • 19. August 2018 um 09:58
        Permalink

        Lieber Michael,

        du fragst:
        „erkennst Du nicht die Gefahren, die wir uns mit dem Islam ins Land holen? Sollten wir nicht zunächst versuchen die Moslems, die da sind zu integrieren? Sollten wir nicht zunächst die Hassprediger und sogenannten „Gefährder“ in Ihre Heimatländer zurückführen? Sollten wir nicht den Flüchtlingen, die vor dem Islam geflohen sind eine sichere Heimat bieten? So viele Fragen, aber kann ich Dich da „wachrütteln“?“

        Ich sehe nicht, dass dies nicht gemacht wird. Das ganze ist sicher nicht einfach, aber wieso glaubst du, dass diese Dinge nicht versucht werden? Und was heißt, erst einmal die integrieren, die da sind? Es lebt inzwischen teilweise die 4.Generation Muslime in Deutschland. Wen willst du da wie integrieren? Wen meinst du? Was meinst du mit Integration?
        Integration bedeutet sich sprachlich, arbeitstechnisch und gesetzlich an das Land zu halten in dem man lebt. Es bedeutet nicht Aufgabe der eigenen Kultur. Das Kopftuch abzulegen bedeutet nicht Integration. Es wäre eine Aufgabe der eigenen Kultur und folglich Assimilation. Eine Aufgabe der eigenen Kultur und Werte. Ich habe das Beispiel der Tibeterin gebracht. Würdest du auch verlangen, dass sie kurze Röcke tragen müssen?
        Die Verstümmelungen von Frauen wird auch heute nicht nur von Muslimen durchgeführt, sondern hat etwas mit der Historie der einzelnen Länder zu tun. Auch Christen und andere Religionszugehörige tun dies leider. Es als muslimische unsitte darzustellen ist also schlicht und ergreifend falsch.
        Zwangsheirat und Kinderehen sind ebenfalls keine muslimische Probleme, sondern kulturelle. Auch im asiatischen Raum wirst du da unzählige Beispiele finden. Das dies schrecklich ist steht für mich außer Frage, besonders die Kinderehen. Aber es den Muslimen in die Schuhe zu schieben um ein Argument gegen den Islam zu haben ist wieder schlicht und ergreifend falsch. (Und Mohammed und Aisha sind ein denkbar schlechtes Beispiel, da das Alter von Aisha umstritten ist.)
        Ich glaube, dass es gerade viele Probleme auf der Welt gibt, die nicht so einfach zu lösen sind. Aber zu denken, diese Probleme kämen von einer bestimmten Religionsgruppe geht an der Realität vorbei. Die Grenzen zu schließen, Menschen ertrinken zu lassen, Helfende zu Straftätern zu machen, was im Moment passiert, zeigt mir, dass wir dringend Stimmen für die Menschlichkeit brauchen.
        Wie will man unsere Werte schützen, wenn man denkt, man müsste sie für eine bestimmte Gruppe Menschen außer Kraft setzen? Was denkst du wird das für karmische Folgen haben?

        Du musst mir da keine Antwort schreiben, es sind nur meine Überlegungen zu deinen Argumenten. Ich glaube auch nicht, dass wir da einen Konsens finden. Aber vergiss nicht, dass ich deine Denkweise kenne. Ich hatte sie selbst mal. Erfahrung und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema ließen mich umdenken. Ich denke einfach, dass in der Humanität die besseren Argumente liegen. Und nein, ich denke nicht, dass das was viele Menschen im Diamantweg von sich geben Humanitär ist, eher das Gegenteil. Tut mir leid.

        Liebe Grüße Stephanie

      • 19. August 2018 um 19:25
        Permalink

        Moin Stephanie, deine Sichtweise zu den SchülerInnen von Ole muss Dir nun wirklich nicht leid tun. Ich weiß, dass die meisten Menschen, die ich dort treffe und traf sicherlich Humanisten sind. Vielleicht hatten wir unterschiedliche Begegnungen? Die Menschen mit denen ich arbeite, erleben mich sehr empathisch und kämen nicht auf die Idee mich als Populisten zu sehen, obwohl ich die Ansichten von Ole zum Islam, soweit sie mir bekannt sind teile. Interessant dabei ist, dass ich mit vielen Moslems in den Jahren meiner Berufstätigkeit gearbeitet habe und sie meine Haltung zum Islam akzeptieren konnten. I.d.R. besser als weibliche Mitarbeiterinnen im Team. Also haben wir einfach unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zu dem Thema. Wie ich an anderer Stelle schrieb, wird die Zeit zeigen in welche Richtung sich die „Angelegenheit“ entwickelt. Ich hoffe sehr, dass deine Haltung die Richtige sein wird.
        Die Verstümmelung von Frauen durch Moslems damit zu rechtfertigen, dass es auch in anderen Kulturkreisen vorkommt ist m.E. bestenfalls zynisch. Ja, ich denke, dass viele der Probleme in Deutschland durch die mangelnde Integration von Muslimen entstanden sind. Die Wahlergebnisse im Ruhrgebiet für den „Schlächter“ Erdogan sind ein Beispiel. Bis zu 70% der „gut integrierten“ Türken wählten ihn. Die Vergewaltigungen in der Sylversternacht in Köln……und, und, und…..
        Aber sicherlich gibt es einen muslimischen Gemüsehändler in Bochum, der vorbildlich integriert ist.
        Ausserdem wäre Ole einer der Ersten, wie ich schon an anderer Stelle schrieb, der versuchen würde einen Ertrinkenden zu retten. Ich hoffe, dass Du Dich daran erinnern kannst?! Schön, dass Du meine Denkweise kennst und sie selber mal hattest. Vielleicht werden ich in zukünftigen Zeiten ähnliche Fortschritte machen und die Dinge dann ähnlich beschreiben können wie Du. Ich teile Deine Auffassung, dass wir z.Zt.in der Frage keinen Konsens finden können. Lass uns in fünf Jahren sehen, ob sich in unseren Sichtweisen etwas verändert hat.

        Mögest Du nicht enttäuscht werden und weiterhin Befriedigung in der Arbeit finden

      • 19. August 2018 um 21:53
        Permalink

        Lieber Michael,

        ich habe es nicht gerechtfertigt, sondern gesagt, dass es kein muslimisches Problem, sondern ein kulturelles ist. Das ist doch ein großer Unterschied und ich hoffe dir ist das klar! Ich lasse mir nicht gerne das Wort verdrehen und ich habe in keinster Weise auch nur angedeutet, dass ich die Beschneidung von Frauen auch nur ansatzweise gut finde oder toleriere.

        Sonst kann ich nicht viel zu dem sagen, was du schreibst, denn ich kenne dich nicht persönlich.

        Aber ich kann dir sagen, dass die jüngsten Ereignisse und die Erzählungen vieler Deutschtürken alleine auf Twitter eine sehr deutliche Sprache sprechen, wer bei der Integration versagt hat. Dies kann nur durch beide Seiten möglich sein und wenn ich mir ansehe wie viel Diskriminierung viele erleben behaupte ich mal, dass da wir Deutschen auch mal stark in uns gehen müssen und an unserer Haltung arbeiten. Es ist immer einfach andere zu verurteilen, sich selbst zu hinterfragen jedoch sehr viel schwerer.

        Zu denken, dass die Probleme in Deutschland urch mangelnde Integration von Muslimen entstanden sind zeigt mir halt die ganze Problematik deiner Denkweise. Da sehe ich keine Differenzierung, keine Möglichkeit zu diskutieren. Wir werden sehen, was in 5 Jahren ist. Ich befürchte, dass in dieser Zeit, wenn wir nicht aufpassen, auch möglich sein kann, dass viele Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind fliehen mussten, weil die Denkweise der Pauschalurteile zu einem Extremismus führt, den wir schon einmal in anderer Form hier hatten.

        Liebe Grüße Stephanie

      • 20. August 2018 um 07:23
        Permalink

        @tenzin @sebastian: Guten Morgen, ich denke, dass nun alle „Argumente“ ausgetauscht sind. Es ist Euch nicht gelungen eines der „Schafe“ vom Weg abzubringen. Es hat mir wirklich Spaß gemacht Eure Fakten zu der Thematik zu lesen. Leider unterscheiden diese sich nicht wesentlich von denen, die in unseren Qualitätsmedien zu lesen und hören sind. Aber sicherlich inhaltlich wesentlich wertvoller als der Populismus, der ohne belegte Zahlen gegen den Islam „wettert“. Wie ich schrieb, möge sich der Leser ein eigenes Bild machen.
        Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und sollte ich meine Position ändern, werde ich gerne berichten.

      • 20. August 2018 um 08:26
        Permalink

        Lieber Michael,
        vom Weg will ich Dich nicht abbringen. Generell antworte ich in Fällen überzeugter Anhänger (auch bei der NKT etc.) weniger (oder eigentlich gar nicht) weil ich glaube eine Person erreichen zu können als viel mehr für den stillen Leser / Leserin oder diejenigen die bereits hinterfragen und denen eine Antwort nutzen könnte oder diejenigen, die eine Gruppe bereits verließen und Gelerntes / übernommene Ansichten (oder auch starke Indoktrination) hinterfragen (bzw. ablegen / loswerden) wollen.

        In dem Sinne schätze ich Beiträge auch, weil sie eine Grundlage bieten, Ansichten zu diskutieren, die Anhänger bestimmter Lehrer und Gruppen oft vertreten und dann über den Gehalt des Gesagten oder die Realitätsbezogenheit (oder den dharmischen Aspekt der Ansichten) zu diskutieren. Diskussion und Austausch sind wesentlich zum Hinterfragen, Prüfen und Formen von (korrekten) Ansichten, die mit der Realität korrespondieren und intellektuell gebildete Unwissenheit, Aversion und Anhaftung nicht fördern sondern vermindern und ggf wenigstens temporär überwinden. In dem Sinne wertschätze ich das und danke Dir für Deine Beiträge und Offenheit. Ohne Dich hätten wir nicht diese Diskussion gehabt. Danke dafür!

        Alles erdenklich Gute für Dich auf Deinem Weg.
        Herzliche Grüße, T

      • 20. August 2018 um 07:31
        Permalink

        Liebe Stephanie, leider schreibst Du immer noch von Beschneidung bei den Verbrechen, die an den Frauen aus anderen „Kulturkreisen“ begangen werden. Nun gut, ich hoffe auch, dass wir nicht in dunkle Zeiten zurückkehren, die unsere Vorfahren in den 30iger und 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts schon mal erleben mußten. Ich fürchte nur, dass wir beide unterschiedliche Ursachen als mögliche Gefahr herausgefunden haben.
        Versuchen wir es, jede(r) auf seine Art, es zu verhindern.

        Beste Wünsche und bis in fünf Jahren…

        LG

        Michael

      • 19. August 2018 um 22:02
        Permalink

        Na ja Empathie unter gleichen ist einfach, Empathie zu Menschen außerhalb der Gruppe, zu Muslimen, Geflüchteten, Migranten oder Kritikern ist dann noch mal was anderes ;-)

        Du verdrehst jämmerlich die Realität, wenn du Genitalverstümmelung auf die Religion des Islam überträgst und ignorierst, dass es ein kulturelles Phänomen ist, dass nur in bestimmten Kulturräumen existiert, rein gar nichts mit dem Islam zu tun hat und nicht in allen Ländern und Kulturen wo es Islam gibt praktiziert wird. Gerne sende ich dir Zahlen und Details. Dein Einstimmen in das Verdrehungshorn von Tatsachen wie ich es nun von Ole schon ein bisschen kenne ist beeindruckend. Noch krasser, dass du die korrekte Differenzierung von Stephanie als „rechtfertigen“ verdrehst und sogar als zynisch bewertest. Sie hat lediglich Deine einseitige und verdrehende Darstellung korrigiert und korrekt in den Kontext gestellt.

        Die sexuellen Übergriffe in Köln – auch Vergewaltigungen – wurden nicht im Namen des Islam gegangen sondern auf Basis von sexueller Gier und Rücksichtslosigkeit primär von Algeriern und Marokkanern. Und wieder mal fehlen die Relationen: du lässt die Straftaten der Rechten aus um Dein Feindbild Islam / Muslime zu pflegen und zu nähren – was hat denn das mit Dharma oder auch nur simpler, ehrlicher, informierter Rechtschaffenheit zu tun?

        Ole hat gelacht im Video als er sich mockierte, dass sie (sinngemäß) die Geflüchteten auch noch aus dem Wasser ziehen. Da kannst du mir nun versichern, er wäre der erste der ihnen helfen würde, das Lachen erzählt aber eine ganz andere Sprache! Für mich ist das Böswilligkeit, die einem tiefen Feindbild entspringt. Laut Bericht der Augsburger Allgemeinen, würde ja Ole nicht mal für einen Muslim beten wollen. Ein Vereinsprotokoll des BDD zitiert ihn im Rahmen »interreligiöser Projekte«: »Wir können teilnehmen, sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen.« Also, wenn man sich nach Ole nicht mal neben Muslime setzen soll und er auf das Retten von Geflüchteten Muslimen sagt: »Die Leute hätten einfach nur das Koran lesen müssen und verstehen müssen, dass das wirklich für uns alle gegeben wurde, dann hätten wir vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt oder aus dem Wasser geholt, sogar. [lacht]« soll er nun gemäß Deiner unbelegten Behauptung, der erste sein, der sie aus dem Wasser holt? Klar, die Erde ist flach und wird von einer Schildkröte getragen.

        Dass Türken in Deutschland für Erdogan sind, finde ich auch nicht gut. Aber man muss das nicht nutzen, um sein Feindbild Muslime oder Islam weiter zu füttern. Es finden auch Russen Putin gut, da leiten jetzt die wenigsten eine Russenphobie oder Kommunismusphobie ab. Es gibt auch Leute, die Trump und andere üble Herrscher gut finden. Statt das auf den Islam zu schieben, wäre es weiser die sozialen Ursachen zu betrachten: nämlich, dass das Bild einer stolzen Nation mit einem starken Herrscher (dass auch Trump und Putin) bedienen, bei der einfachen Bevölkerung unter türkischen Migranten einfach gut ankommt und verfängt: https://www.tagesspiegel.de/politik/tuerkische-praesidentschaftswahlen-warum-tuerken-in-deutschland-fuer-erdogan-stimmen/22733474.html (Erst recht, da ihnen Deutsche ja meist klar zu vermitteln scheinen, dass sie nicht dazu gehören, egal wie integriert sie sind.)

        Über die Morde der NSU an Türken hast Du ja noch gar nichts geschrieben, das waren gut integrierte Deutsche. Immer schön einseitig, immer schön das Feindbild pflegen …

      • 20. August 2018 um 05:20
        Permalink

        @Michael

        „Die Wahlergebnisse im Ruhrgebiet für den „Schlächter“ Erdogan sind ein Beispiel. Bis zu 70% der „gut integrierten“ Türken wählten ihn.“

        In Deutschland leben fast drei Millionen türkischstämmige Menschen. Von denen ist ungefähr die Hälfte wahlberechtigt, genau 1.443.585 Millionen. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 49,7 Prozent. Es haben also rund 717.000 Deutsch-Türken abgestimmt und von denen wiederum zwei Drittel für Erdogan: zusammen rund 466.000 Menschen.
        Das sind meiner Ansicht nach immer noch 466.000 zuviel, klingt aber nicht mehr so, als hätten ihn 70 Prozent der hier lebenden Türkischstämmigen Menschen gewählt.

      • 20. August 2018 um 06:38
        Permalink

        Und dann kommt noch dazu, dass das nix mit Islam, Geflüchteten oder Ausländern zu tun hat sondern primär soziale Ursachen hat, wie die furchtbaren Beschneidungen nix mit dem Islam sondern mit bestimmten Kulturen zu tun haben. Oder wie die Wahl von Putin nichts mit der orthodoxen Kirche Russlands oder Trumps Wahl nix mit dem Christentum zu tun hat.

        Nix geht über ein gepflegtes Feindbild! Ole lebt diese Form der feindseligen Ausgrenzung vor, die sich aus Unwissenheit, Ressentiments und Aversionen speist und diese wiederum beflügelt. Eine Form der Sinngebung durch Ausgrenzung, die wahrscheinlich auch den Zusammenhalt und die Identität innerhalb oder mit einer Gruppe, die sich als Elite versteht, verstärkt. Unreflektierte Schüler übernehmen das. Reflektierte, unparteiisch informierte Schüler lehnen das ab.

        Dass die Türken – also die scheinbar so gefährlichen Muslime – wesentlich zum Aufbau und Erfolg unseres Landes beigetragen haben, wir ihnen dankbar sein und uns ihnen verbunden fühlen können (sie Menschen wie wir sind etc) wird hingegen mit keiner Silbe vom großen “Menschenfreund” und ach so großem buddhistischen Lehrer erwähnt.

        Völkischer Buddhismus findet Matthias Steingass das Alles: https://unbuddhist.com/2017/10/05/ole-nydahls-voelkischer-buddhismus/

    • 20. August 2018 um 15:24
      Permalink

      @Michael
      Meine Absicht ist es, den Haltungen und Vorstellungen anderer Menschen gewahr zu werden. Dazu hast du beigetragen und diese Bereitschaft dazu deinerseits löst ein Gefühl der Dankbarkeit bei mir aus.

      Antworten
  • 18. August 2018 um 23:01
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    Vielen Dank Stephanie für deinen Artikel.
    Ich nehme das mal zum Anlass auch mal meinen Unmut über meine Erfahrungen mit Ole Nydahl loszuwerden.

    Ole ist ein Populist und der Personenkult um ihn ist innerhalb seiner Sangha seeeehr groß.
    Ole hier Ole da. Ole hat das gesagt, dies und jenes.
    Ich war auf dem Sommerkurs letzte Woche in Immenstadt und er hat deutlich(!) mehr Applaus bekommen als der vom sehr weit angereiste und deutlich kompetentere Rinpoche.
    Das kam mir ziemlich selbstbeweihräuchernd vor.
    Seine Aussagen über dem Islam haben mich sehr genervt, das tut richtig weh, was er da von sich gibt.
    Dabei gibt es „den Islam“ aus buddhistischer Sicht gar nicht wirklich. Das ist nur ein Konstrukt, das sich Menschen ausgedacht haben.
    Glaubt er das also selber was er da von sich gibt?
    Oder will er bei uns nur Störgefühle auslösen und uns dort treffen wo es weh tut?
    Letzteres löst er zumindest bei mir aus mit seinen Urteilen.
    Das fühlt sich furchtbar an.
    Er trifft da einen wunden Punkt bei mir und verhindert gleichzeitig dass ich wirkliches Vertrauen zu ihm finde, denn mich stört und verunsichert das.
    Er hat da eine klare Grenze überschritten.
    Denn ein (für mich) guter Lehrer würde mMn nicht den Dualismus (also das Gentrennt sein von Subjekt und Objekt – hier bin ich, da ist der Islam) aufrecht erhalten, sondern dafür sorgen, dass sich der Zirkus innen drinnen auflöst, weil es ja schließlich meine negativen Emotion und Vorstellungen sind, die es gilt aufzulösen.
    Das macht der Ole aber nicht, er redet so als gäbe es den Islam wirklich! Das verstehe ich nicht.
    Ich finde seine Aussagen aber auch nicht nur zum Islam recht allgemein, auch seine buddhistischen Bücher sind sehr verallgemeinernd geschrieben.
    Er ist halt selber nur Grundschullehrer, hat er selbst mal so oder so ähnlich gesagt.
    Aber ich habe den Eindruck, dass unter seinen Schülern viele sind, die aber auch nicht weiter schauen wollen als den Horizont, den Ole ihnen vorsetzt.
    Ich nenne deshalb manchmal scherzhaft seinen Buddhimus – Oleismus.
    Aus buddhistischer Sicht sind alle starren Vorstellungen etwas das Leiden verursacht.
    Dazu gehört z.B natürlich auch der Islam (oder eine starre Vorstellung ÜBER den Islam), aber man darf das darauf nicht beschränken und ich finde Ole macht es sich da etwas zu einfach. Was gibt es nicht für abermillionen Arten von starren Vorstellungen, die ein Mensch haben kann?
    Und was interessiert es mich welche (oftmals komischen) Vorstellungen andere Menschen haben?
    Wenn ich Menschen ablehne nur weil sie nicht so denken wie ich, ist das immer latent faschistisch.
    Man muss man den Glauben von den Menschen trennen! Das ist sehr wichtig, wer das nicht tut ist ein Nazi.

    Antworten
    • 19. August 2018 um 00:56
      Permalink

      Hi.
      Man kann die Ansichten von Menschen ablehnen, das ist nicht latent faschistisch. Wenn doch muss man Buddha oder Buddhisten als Faschisten bezeichnen, da sie falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit ablehnen.

      Auch wenn das Ablehnen von Menschen als “nicht buddhistisch” bezeichnet oder bewertet werden könnte, es als latent faschistisch zu bezeichnen oder zu bewerten, erscheint mir ein bisschen extrem. Kannst du das gut begründen, warum das Ablehnen von Menschen latent faschistisch ist?

      Bei aller nicht-Dualität, aus meiner Sicht kann man sehr wohl fanatisches Verhalten als falsch und unheilsam identifizieren oder bezeichnen. Der Buddha hat ja sehr wohl zwischen heilsamen und unheilsamen Handlungen unterschieden. Auch wenn es nicht “den Islam” gibt (auch nicht aus wissenschaftlicher Sicht), heißt das nicht, dass es Islam als Konvention in Abhängigkeit nicht gibt. Mir erscheint es so, dass du mit dem Begriff oder deinem Verständnis von nicht-Dualität in das “Extrem des Nihilismus” fällst, so als würden Menschen, in nicht-duale Weisheit (was immer das im Kontext bedeuten mag) realisieren, dass es gar keinen Islam gibt. Vielleicht täusche ich mich hier. Aber dein Kommentar lässt mich etwas verwundert zurück.

      Antworten
      • 19. August 2018 um 08:29
        Permalink

        Die Ablehnung von Ansichten halte ich nicht für latent faschistisch. Die gruppenbezogene Ablehnung von Menschen aufgrund unterstellter Eigenschaften dagegen schon.
        Die Unterstellung einer Ansicht und die daraufhin stattfindende Ettiketierung und Ausgrenzung derer, die vermeintlich Anhänger und Vertreter dieser Ansicht sind, kann man (wenn einem das liegt, mir eher weniger) als faschistoiden Wesenszug beschreiben. Das ist ein Aspekt des Faschismus, zumindest demnach, wie ich ihn kennengelernt habe.

        Das greift aber letztendlich meiner Erfahrung nach in aller Regel und in alle Richtungen zu kurz, weswegen ich mich eher auf darauf konzentriere, wie jemand handelt, als darüber zu spekulieren, wie jemand warum ‚ist‘.

    • 19. August 2018 um 02:10
      Permalink

      Das jemand, der Weltanschauung und Mensch nicht zu trennen vermag, nazi sei, klingt auch nach einer recht starren Vorstellung.
      ;)

      Antworten
  • 20. August 2018 um 11:00
    Permalink

    Freut mich zu hören, Verwunderung zu erzeugen :)
    Natürlich gibt es einen Islam als Idee, als Vorstellung, als Glaube, als Religion.
    Nur ist es was konstruiertes, etwas, das sich Menschen ausgedacht haben.
    Und somit gibt es ihn nicht letztendlich(!) nicht wirklich und ich meine damit ganz und gar nicht, dass er nicht (in den Köpfen) existiert!
    Also danke für den Hinweis, Buddhismus und Nihilismus kann man von außen oft nicht unterscheiden und der Nihilismus ist ein schönes Kontrastmittel, um zu sehen was Buddhimus nicht ist :)

    Ich wollte auf das hinaus:
    Auf das was Innen drin passiert, wenn jemand unser Ideal vom pluralistischen Relativismus angreift?
    Wie sehr sich unser Ego krümmt, wenn wir hören, dass nicht alle gleich sind?
    Und wenn wir hören, dass nicht alle Menschen dieser Welt (auch die hierher kommen) diese Ideale (noch) nicht teilen (können)?
    Weil sie es nicht gelernt haben? Sich noch nicht dorthin entwickelt haben?
    Wer Ken Wilber gelesen hat, versteht sicherlich genau was ich meine.
    Es geht darum, dass wir es schaffen uns vom egozentrischen, zum weltzentrischen Bewusstein zu entwickeln und dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen auch dorthin kommen können.
    Und sie nicht einfach dort auf ihrer Entwicklungsstufe stehen lassen sollten, sondern möglichst allen helfen sich weiter entwickeln zu können zum Besten aller Wesen.
    Darum sind wir doch Buddhisten oder irre ich mich?

    Wie auch Sebastian schrieb und die Meinung teile ich, geht es immer um die Taten, die ein Mensch in der Welt vollführt.
    Und danke für den Hinweis mit der starren Vorstellung: Ich bin auch noch nicht erleuchtet ;)
    Habe das absichtlich etwas überspitzt dargestellt.

    Mögen wir alle Glück und die Ursache des Glücks haben

    Antworten
    • 20. August 2018 um 15:20
      Permalink

      :)

      Nur zu…
      Ich finde es immer spannend zu sehen, ‚was innen drinnen‘ passiert. In der Gewaltfreien Kommunikation habe ich gelernt, dass die verbindende Erfahrung, dass letztendlich jeder Mensch danach strebt, Bedürfnisse, die er im Mangel sieht, zu erfüllen und die Erfahrung, dass diese Bedürfnisse letztendlich bei allen Menschen gleichermaßen Erfüllung verlangen der Aspekt ist, der alle Menschen gleichermaßen eint.
      Die konfliktauslösende Frage ist, wie das vonstatten gehen soll.
      Aber, und da bin ich hoffnungsloser Optimist, ist es jedem Menschen gegeben, seine individuell entwickelten oder von außen übernommenen Strategien, immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Und dabei bin ich Menschen, die das wünschen, immer gerne behilflich.
      So gesehen kann ich deine Ansicht gut teilen.

      Antworten
  • 6. November 2018 um 23:09
    Permalink

    In Bezug auf den Zusammenhang wie Angst zu Hass führen kann, wie er ja auch im Post von Stephanie angesprochen wird, gibt es hier ein kurzes Video mit Ringu Tulku Rinpoche, der Yoda’s Zitat kommentiert:

    Fear is that path to the dark side.
    Fear leads to anger,
    anger leads to hate,
    hate leads to suffering.

    https://youtu.be/R_XAR9rna3I

    Antworten
    • 11. November 2018 um 12:04
      Permalink

      Na ja, wer sich informieren will, sollte es nicht einseitig tun.
      Besser ist sicher, beide Seiten zu hören und dann sachlich und unparteilich zu analysieren oder ggf auch nachzuhaken und tiefer zu recherchieren.

      Hier ist eine Analyse der Kommunikationsstrategien des BDD inklusive Analyse einiger Behauptungen im von Dir verlinkten Schreiben des BDD:
      Faktencheck: Die Kommunikationsstrategie des Diamantwegs (BDD)

      Und hier ist eine „längst überfällige Richtigstellung“ des Delegierten der Einzelmitglieder der DBU, Frank Hendrik Hortz, zu den falschen Behauptungen des BDD über mich in diesem Schreiben und in einem erneut über die DBU verbreiteten Schreiben:
      http://www.frank-hendrik-hortz.de/blog/eine-laengst-ueberfaellige-richtigstellung

      (Dein Beitrag fand ich eben im Spam-Ordner und habe ihn nun freigeschaltet.)

      Antworten
      • 11. November 2018 um 15:20
        Permalink

        Liebe Güte, es ist noch immer grotesk, mit welcher Inbrunst der BDD gegen Dich vorgeht (hier der einzelne Mönch, da der mächtige Verband). Unabhängig von der (un-)ethischen Haltung, die man durchaus am BDD kritisieren kann, finde ich, daß Andrés verlinktes Dokument vor allem eines zeigt: Der BDD antwortet nicht klar, sondern seine Protagonisten versuchen, sich nicht festnageln zu lassen. Ich unterstelle: Denen waren Nydahls Aussagen höchst peinlich, und nun versuchen sie, von ihnen abzulenken.

  • 21. November 2018 um 00:29
    Permalink

    Hallo Stephanie,

    Danke für den Artikel.

    Ich bin kein praktizierender Buddhist und nun nur mehr oder weniger zufällig hierüber gestolpert – nachdem ich letztes Jahr einmal zum Tag der offenen Tür in einem solchen von Ole gegründeten Zentrum war und mir Zweifel kamen, las ich stundenlang und das Zentrum hatte sich für mich erledigt. Nun sprach eine Bekannte halbwegs begeistert von selbigem, und ich musste nun wieder recherchieren. Was ich damit sagen will: ich habe kein Interesse daran, Ole zu verteidigen, seine Rhetorik scheint sich mir innerhalb dieses einen Jahres verschärft zu haben, und ich denke, dass Du auf einem guten Weg bist und gratuliere Dir, dass Du diesen gegangen bist.

    Eine ergänzende, oder auch einfach nur eine andere Perspektive möchte ich aber anbieten. Aus meiner Sicht hast Du die wesentlichen Schlüsse richtig gezogen, zu denen Ole offensichtlich nicht in der Lage ist, und eigentlich ist es auch ganz banal: Ideologien müssen sehr genau von Menschen unterschieden werden. Ebenso, wie Du nicht freiwillig in die Ole-Ideologie hineingeboren wurdest, haben sich es (die allermeisten) Muslime nicht ausgesucht, Anhänger des Islam zu sein. Du bist sicher ein toller Mensch, und ganz sicher sind es auch viele Muslime. Nur folgt daraus nicht, dass die von Ole vertretene Ideologie oder die des Islam harmlos wären, aus meiner Sicht sind sie es beide nicht. Soll heissen: aus meiner Sicht vermischst Du Ideologie und Mensch nach wie vor noch zu sehr, nun aber eben umgekehrt: der Islam wirkt auf Dich (relativ) harmlos, weil Du tolle Muslime kennengelernt hast.

    Ich persönlich kritisiere den Islam scharf, aber a) weiss ich um die Wirkung von Worten und würde genauestens aufpassen, in welchem Rahmen, also vor wievielen und welchen Leuten ich es, und, vor allem: wie tue, und b) weiss ich sehr genau zwischen Mensch und Ideologie zu unterscheiden. Das ist, worin ich mich von Ole unterscheide, wenngleich ich mit ihm in der Kritik möglicherweise sogar einig bin. Wenn er vor X Leuten also sagt, dass man Menschen nicht aus dem Wasser hätte ziehen sollen und dabei lacht, ist nicht Islamkritik, sondern die Form dieser, sofern man es denn überhaupt noch Islamkritik nennen kann und nicht Menschenverachtung nennen muss, das Problem.

    Lieber Gruß

    Antworten
    • 21. November 2018 um 17:16
      Permalink

      Lieber L,

      vielen Dank für Deine Worte. Kann durchaus sein, dass du da Recht hast.

      Tatsächlich ist mir vor allem wichtig immer erst den Menschen zu sehen. Erst dann kommt die Ideologie, egal welche. Der Islam ist so unendlich vielfältig, es gibt endlos Literatur darüber und klügere Menschen als ich beschäftigen sich mit dem für und wieder. Ich kenne einige Sichtweisen für und einige dagegen. Für mich ist aber vor allem entscheidend wie mein direktes Umfeld ist, wie die Menschen dort handeln. Alles was weiter weg ist kann ich wenig beeinflussen. Und ja, in dieser Hinsicht habe ich fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen haben sich tatsächlich die Religion nicht ausgesucht, manche leben sie sehr streng, manche weniger, manche verlieren ihren glauben, manche finden erst den Bezug dazu in der Fremde um Sicherheit zu finden. So lange die Menschen freundlich sind habe ich mit keiner dieser Einstellungen ein Problem. Im Gegenteil kenne ich jede davon von mir selbst aus verschiedenen Lebensabschnitten.

      Ob eine Ideologie gefährlich ist hängt immer von den Menschen ab, die sich nach ihr richten. Um Extremismus zu vermeiden halte ich Offenheit für zwingend erforderlich. Auch verstehe ich die Welt in Abhängigkeit voneinander. Der radikale Islam entstand in meinen Augen als Antwort auf einen überheblichen und ausbeuterischen Westen dem die Menschen in diesen Ländern egal war. Der Westen hat ihn mit verursacht und ich denke nicht, dass wir uns da einfach aus der Schlinge ziehen können und sollten indem wir beispielsweise die Grenzen dicht machen. Das wäre für mich immer der falsche Weg. Vor einer Ideologie, Religion oder Kultur zu warnen und Angst zu haben ist denke ich für niemanden gewinnbringend, denn es führt nur weiter zu Ausgrenzung, Ablehnung und Hass. Und zwar auf beiden Seiten. Ich halte da lieber meinen Blick auf genau die Menschen die vor mir sitzen und denen ich hoffentlich etwas Bildung und vor allem einen sicheren Raum bieten kann.

      Antworten
      • 23. November 2018 um 02:46
        Permalink

        Liebe Stephanie,

        vielen Dank für die Antwort. Ich finde es super, dass Du wertvolle Arbeit mit Menschen leistest, vor denen Du Dich zuvor gefürchtet hast. Ich kann Dich darin nur bestärken, es ist wahrscheinlich das Beste, was Du tun kannst, um diese Prägungen durch Ole aufzulösen.

        Mit dem zweiten Abschnitt Deiner Antwort tue ich mich etwas schwer. Gerade vor dem Hintergrund, dass Du durch Ole so geprägt bist, muss ich einsehen, dass es nicht sonderlich geschickt von mir war, „den Islam“ als gefährlich zu bezeichnen, ohne es zugleich weiter auszudifferenzieren, ihn zumindest in eine spirituelle, moralische und politische Ebene zu unterteilen. Wenn sich jemand Mohammed als spirituelles Vorbild nimmt, spricht dagegen aus meiner Sicht nichts, das möchte ich gerne festhalten.

        Mit Angst oder Warnung hat das aus meiner Sicht aber nicht viel zu tun, zumindest war es nicht meine Intention, welche zu verbreiten. Ich denke, dass Religionskritik an sich in unseren Breitengraden immer legitim ist (sein muss) und wir der Ausübung dieser viel zu verdanken haben. Nach wie vor kritisieren wir (zu Recht) bspw. hemmungslos das Christentum für z.B. seinen Umgang mit Homosexuellen, dabei käme aber wohl niemand auf die Idee, es als Entwertung der Menschen, die dem Christentum anhängig sind, zu verstehen. Hier funktioniert die angesprochene Trennung zwischen Mensch und Ideologie sehr gut, und erst sie ermöglicht, dass berechtigte Kritik geübt werden kann (und auch muss), ohne Unfrieden zu stiften.

        Beim Islam funktioniert diese aus diversen Gründen nicht, und das ist mein Konflikt dabei. Sei es, weil Menschen wie Ole sie nicht machen und den Islam nur vorschieben, und man sich dann vielleicht dazu genötigt sieht, ihn (den Islam) in Schutz zu nehmen. Aber auch, da der Islam selbst mit seinem Anspruch, die zuletzt von Gott an die Menschen gerichtete Botschaft zu verkörpern, Kritik gar nicht vorsieht und auch nicht erlaubt. Am liebsten ist es mir, wenn Muslime selbst den Islam kritisieren. Leider müssen sie dann oft, zumindest wenn sie es öffentlich tun, unter permanentem Polizeischutz leben (und das sogar in Deutschland). Viele trauen sich eine Abkehr vom Islam auch nur im Stillen, um nicht mit der Familie zu brechen. Das sind z.B. Dinge, die ich an Ideologien als gefährlich empfinde, und da sie Einfluss auf das Leben dieser Menschen und damit auf die Gesellschaft haben, auch nicht als so unbedeutend empfinde. Ich fürchte, dass man insbesondere diesen Leuten in den Rücken fällt, wenn man den Islam verteidigt, obwohl man eigentlich nur Menschen verteidigen möchte, und sich somit sogar daran beteiligt, eine Ideologie gegen jegliche Form von Kritik zu immunisieren.

        Das ist aber als allgemeine Aussage zu verstehen, weswegen ich diese Unterscheidung so wichtig finde. Da es sich bei dem, was Ole tut, in meinen Augen gar nicht um Religionskritik handelt, kann und möchte ich Dir gar nicht vorwerfen, dass Du eine solche nicht zuließest. Ich finde Deinen Weg nach wie vor gut, und wenn Dein Schwerpunkt eben, anders als bei mir, auf dem Menschen selbst liegt, finde ich das auch völlig in Ordnung.

        Ich möchte in Bezug auf Ole noch gerne loswerden, dass seine Äußerungen nicht nur in der Form, wie er sie vorträgt, unverantwortliche Hetze ist (soweit war ich schon), sondern auch in ihrem Inhalt zumindest teilweise (ich kenne nicht alle seine Äußerungen) unseriös bis substanzlos. Nachdem ich zwischenzeitlich u.a. die Geschichte mit den Beschneidungen gelesen habe, möchte ich meine Aussage, dass ich mit ihm in der Kritik an sich möglicherweise sogar einig bin, gerne streichen.

        Ich danke Dir nochmals für Deinen Artikel und für Deine Antwort.

        Lieber Gruß

  • 14. Dezember 2018 um 01:10
    Permalink

    @ Tenzin : Danke für diese unermüdliche Arbeit im Netz. Mir hilft es, um mir eine eigene Meinung zu bilden und meine Unabhängigkeit zu bewahren. Seit 2004 folge ich Ole nicht mehr. Mir war immer suspekt, wie die Schüler in oles Gruppen kritisches denken ablehnten. Zum Glück bin ich raus und es interessiert mich aber was noch im DW-Buddhismus los ist… Meine Schwester ist nämlich noch tief drin… Sie hat sogar ein Schießkurs gemacht, „um sich von den Gefahren des Islams besser zu schützen“… Wie traurig erscheint es mir, dass buddhisten sich zu so was manipulieren lassen. Ich wünschte der 17 Karmapa (der, den Ole anerkennt) würde endlich eine Ansage machen. Aber das ist leider noch nicht geschehen… Ich bete dafür. Mich hat der Hass innerlich gefressen und möchte, dass andere nicht die gleichen Probleme haben, die ich bis heute habe. Oles Angstmache und paranoia verstärken einfach nur diese negative Einstellung in mir. Ich kann dir sagen, deine Arbeit in Sachen Aufklärung und protokollieren ist für mich sehr geschätzt.

    LG Ramiro

    Antworten
    • 14. Dezember 2018 um 01:32
      Permalink

      Danke Ramiro. Das ist ein wichtiger Kommentar und Feedback von Dir.

      Von ’ner anderen Quelle hatte ich gehört, dass ein devotes DWler Ehepaar ihre Kinder zum Kampfsport bringen, damit sie sich gegen den Islam – also Muslime – verteidigen können. Erst wenn mehr Insider / ex-DWler den Mut haben, ihr Wissen zu teilen, können sich Außenstehende ein besseres Bild machen und Tendenzen und Muster erkennen.

      Es tut mir leid, dass Deine Schwester noch tief drinne ist. Ich hoffe sie findet auch ihren Weg.

      Für viele – zumindest die, die nicht hängen bleiben – scheint der DW erst mal eher ein Einstieg in den Buddhismus zu sein und dann gehen einige weiter mit qualifizierteren LehrerInnen und lassen die anderen Sachen hinter sich.

      Dass der Karmapa sich nicht äußert (oder Shamarpa Ole unterstützte) hat mE was mit struktureller Machtausübung zu tun. Unter den asiatischen Buddhisten ist ja der Karmapa der anderen Regenten, Tai Situ und Gyaltsab Rinpoche, (der auch vom Dalai Lama und China anerkannt wurde und den Shamarpa auch zuerst anerkannte, also – Trinley Dorje) viel populärer. Mit Ole, seinen mächtigen Online und finanziellen + materiellen (Zentren-) Strukturen, hat Shamarpa und sein Kandidat, Thaye Dorje, halt ne machtvolle Unterstützung im Westen gefunden. Da wirst Du er ja nicht zu kritisch, um sie nicht zu verkraulen vermute ich mal.

      Im Übrigen gibt es einen neuen Artikel – eine wissenschaftlichen – zu Ole Nydahl und Diamantweg von Bee Scherer. Er wird bis zum Jahresende (voraussichtlich) ins Deutsche übersetzt: https://info-buddhism.com/Ole_Nydahl_and_Diamond_Way_B_Scherer.html

      Ich herhielt schon Feedback von einem anderen Prof. zum Artikel von Bee Scherer, der meinte, dass es eine Mähr sei, dass Ole und Hannah die ersten westlichen Schüler vom 16. Karmapa gewesen seien. Er war nämlich vor Ort und zählte ein paar Leute auf, die auch zu der Zeit vor Ort waren und eine Frau, die später Nonne wurde, die schon vor Ole und Hannah dort war. Ich muss die Details noch genau lesen und auswerten und ggf noch mal zurück fragen. Das Problem ist, dass viel zu oft solche Selbstbehauptungen – übertriebene oder erfundene Narrative zur Autoritätsaggregation – als Tatsachen übernommen werden. Ansonsten bietet der Artikel aber sehr viele interessante Infos.

      Im Übrigen, wenn Dir mal ein Fehler oder ne falsche Darstellung von meiner Seite auffällt – ich bin ja kein Insider – bitte weise mich darauf hin.
      Danke dir und LG T

      Antworten

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