»Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung« – Eine ARTE Dokumentation

Eine neue ARTE Dokumentation »Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung« von Elodie Emery und Wandrille Lanos (Frankreich, 2022), widmet sich dem Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt im Tibetischen Buddhismus.

Überblick

  1. Das Leid von Missbrauchsopfern
  2. Eine Einordnung
  3. Der Bruch in der Dokumentation
  4. Zurück zum Hauptthema der Dokumentation
  5. Geldflüsse, Schweigen, Unterstellungen und Vorwürfe der Täuschung
  6. Tibeter als Geflüchtete: Nur hinter dem Geld der Westler her?
  7. Der Dalai Lama und das Missbrauchsthema
  8. Gespräch mit Missbrauchsopfern und Zusagen des Dalai Lama
  9. Auf die Anfragen von ARTE habe der Dalai Lama nicht geantwortet
  10. Die Rolle des Dalai Lama im Tibetischen Buddhismus
  11. Mangelnde Differenzierung, mangelnde akademische Einordnung
  12. Mein Fazit

Das Leid von Missbrauchsopfern

Die Dokumentation begleitet Ricardo Mendes, der im buddhistischen Zentrum Ogyen Kunzang Choling (OKC) – ein Zentrum der Nyingma Tradition des Tibetischen Buddhismus – aufwuchs. Seine Eltern überließen ihn im Alter von fünf Jahren dem Zentrum.

Gegründet wurde das Zentrum 1972 vom Belgier Robert Spatz (geb. 1944), auch bekannt als Lama Kunzang Dorje. Laut Palmer war es das allererste buddhistische Zentrum, das in Brüssel eröffnet wurde.¹ Später kam Nyima Dzong (auch bekannt als »Chateau de Soleils«), im Süden Frankreichs hinzu. Zudem gründete OKC auch in anderen Ländern buddhistische Zentren: in Spanien, Griechenland, Portugal und Tahiti.

Nyima Dzong – „Sonnenburg“ (Château-de-Soleils at Castellane)

Im Jahr 2016 wurde Spatz das erste Mal der sexualisierten Gewalt, der Kindesentführung, der Geldwäsche und anderer Verbrechen schuldig gesprochen. Die Organisation OKC wurde ebenfalls mehrerer Vergehen schuldig gesprochen. Spatz und OKC wurden zu einer Entschädigung von 4.500.000 € verurteilt.

Das Gericht stellte fest, dass einige der Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren mehrere Jahre keinen Kontakt zu ihren Eltern gehabt hatten: »Diese Lebensweise beraubte die Kinder eines echten Kontakts zur Außenwelt und schadete ihnen in Bezug auf Affektivität und Persönlichkeitsentwicklung«, so der Richter. »Wenn einige von ihnen eine Ausbildung bekommen und sich danach gut in der Gesellschaft entwickeln konnten, dann war das ihrer eigenen Beharrlichkeit zu verdanken und nicht dem OKC«, fügte er hinzu.

Guru« Robert Spatz ließ die Eltern glauben, dass sie einen schlechten Einfluss auf ihre eigenen Kinder hätten, sie verschmutzen würden. Daher bestünde die Notwendigkeit, die Kinder von ihren Eltern getrennt zu erziehen, damit sie in einer Welt voller Gewalt und Dekadenz zu überlebensfähigen Eliten heranwachsen könnten.²

Die ARTE Dokumentation zeigt in den ersten 10 Minuten den Leidensweg dieser ca. 60 Kinder auf. Die »Welt voller Gewalt und Dekadenz« erlebten sie in genau diesen buddhistischen Zentren, die wiederum von tibetischen und westlichen Lehrern – auch den hochrangigsten wie Dilgo Khyentse Rinpoche oder dem Dalai Lama – durch Besuche und Dokumente beehrt und aufgewertet wurden. Auch die klösterliche Anbindung ließ die Eltern und Unterstützer glauben, dass alles mit rechten Dingen zuginge und die Kinder sicher wären. Eindrucksvoll zeigt die Dokumentation die unglaublich starke institutionelle und auf Autoritäten gegründete Rückendeckung, die der Kriminelle Spatz über Jahrzehnte durch tibetische Buddhisten und deren Institutionen erhielt, eine Form der Unterstützung, die bis in die Gegenwart reicht. In einem Email-Wechsel im November 2021 konnte Ricardo Mendes – nach anfänglicher Ablehnung – schließlich Ringu Tulku Rinpoche, Gründer von Bodhicharya International, überzeugen, nicht in OKC und ihrem Ableger in Dänemark zu lehren.³)

Mendes berichtet, dass er geschlagen wurde, nichts zu essen bekam, frieren musste. Was Mendes durchmachte, erlebten auch andere Kinder, sie wurden mit Nahrungsentzug bestraft wenn sie »nicht brav« waren oder »unerlaubt redeten« – und sie wurden körperlich gezüchtigt. Kinder wurden so stark körperlich gezüchtigt, »dass sie gegen die Wand knallten und bluteten.« Sie wurden auch als Arbeitssklaven missbraucht. Sie lebten unter katastrophalen sanitären Bedingungen in Klöstern des OKC in Frankreich und Portugal. Claudia Frey über »Château de soleils« in Castellane: »Ein altes Gebäude, ohne Wasser, ohne Strom, ohne Toiletten, in dem überall Wasser auslief … Nachts kamen die Ratten in die Schlafzimmer. Wir aßen makrobiotisches Essen. Weizen oder Gerste, gekocht mit ein paar Rüben, Karotten oder Seetang. Morgens gekochtes Mehl. Abends eine Suppe. Jeden Tag.«

Spatz missbrauchte jahrelang Minderjährige, die Kinder seiner Anhänger, die er von ihren Familien getrennt hatte, schwer.⁴

ARTE begleitet Mendes als Wortführer von 23 Nebenklägern zum Gericht, wo Spatz sich ein weiteres Mal stellen muss. Im ersten Urteil, 2016, bekam Robert Spatz nur 4 Jahre auf Bewährung. Spatz lebt nun in Spanien. Er erscheint nicht vor Gericht. Die aktuelle Anklage lautet auf »Ausbeutung, Kindesentführung, sexueller Missbrauch«.

Ende 2020 wurde Robert Spatz in Lüttich in der Berufung zu 5 Jahren Haft auf Bewährung – unter anderem wegen Nötigung, Gewalt und sexuellem Missbrauch von Minderjährigen – und zur Entschädigung seiner Opfer verurteilt. Er ging in Revision. Am 5. Oktober 2022 wird der belgische Kassationsgerichtshof entscheiden, ob dieses Urteil bestätigt wird. In Frankreich wurde ein neues Verfahren gegen Robert Spatz und OKC eröffnet.

Nach den ersten 10 Minuten, obwohl vertraut mit dem Fall, muss ich die Dokumentation stoppen. Was diesen Kindern angetan wurde, wie sie indoktriniert wurden, ist einfach zu hart für mich als Zuschauer. Ich brauche eine Pause.

Eine Einordnung

Man möchte glauben, dass OKC ein schrecklicher Einzelfall ist, ein Mahnmal des Versagens aller Instanzen – Familie, Freunde, Justiz. Leider ist OKC ist ein extremes Beispiel eines lang überschauten Problems: Missbrauch im Namen des Buddhismus. – Anna Sawerthal

So wie Anna Sawerthal im Jahre 2017 das Problem von Missbrauch im Buddhismus zusammenfasste, zeigt die ARTE Dokumentation auf, wie systematisches Wegsehen und Schweigen, aktive Unterstützung, Indoktrination und Schönreden, einhergehend mit einer Forderung nach absolutem Gehorsam dem Guru gegenüber und andere Faktoren zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt im Namen des (Tibetischen) Buddhismus führen können.

Eindrucksvoll wird diese Indoktrination vor Gericht ausgesprochen:

  • der Guru sei erleuchtet, er wisse und sehe alles, er sei allgegenwärtig, er sei äußerst gütig, er lebe auf dieser Erde nur zum Wohle anderer.
  • nur wenn man seinen Anweisungen (blind) folge, erlange man Erleuchtung,
  • Vergewaltigung sei eine Reinigung negativen Karmas, weil man in einem Vorleben selbst Vergewaltiger gewesen sei; durch die Vergewaltigung werde das negative Karma zerstört und man komme der Erleuchtung näher, das sei ein Glück.

Eine Differenzierung dieser extremen Ansichten wird nicht vorgenommen. So legt die Wissenschaftlerin Miriam Anders, die zu Missbrauch im Buddhismus geforscht hat, zum Beispiel in einer Studie dar, dass es sich bei dem Konzept oder dem Begriff der »Karma-Reinigung« um einen Neologismus handelt, der in bestimmten westlichen tibetisch-buddhistischen Gruppen dazu genutzt wird, Missbrauch zu rechtfertigen.

Es gibt auch keine Forderung nach absolutem Gehorsam dem Guru gegenüber. Der Dalai Lama und der Tibetische Buddhismus allgemein betonen, dass es verschiedene Arten gibt, sich auf einen Lehrer zu beziehen.

So wie es drei Wege gibt, sich auf einen Guru zu beziehen, gibt es drei Möglichkeiten, auf ihre oder seine Anweisungen zu reagieren, wenn sie dem Dharma widersprechen.

Um Differenzierung scheint es den Filmemachern nicht gegangen zu sein. Wohl eher um die Bestätigung einer vorgefassten Meinung. Im Klappentext zu ihrem zeitgleich erschienenen Buch, »Bouddhisme, la loi du silence«, heißt es:

Von seiner Begeisterung geblendet, hätte der Westen es fast vergessen: Der Buddhismus ist eine Religion mit ihren Dogmen, Heilsversprechen und Höllendrohungen. Um die Erleuchtung zu erlangen, die im Christentum der Gnade entspricht, müssen die Anhänger des tibetischen Buddhismus einem Meister Gehorsam und Hingabe entgegenbringen. Auch wenn er erniedrigt, schlägt. Oder vergewaltigt.

Sorry, aber das ist einfach nur Quatsch!

Der Bruch in der Dokumentation

Nach den ersten 10 Minuten der ARTE Dokumentation (mit Rückblenden auf die Konferenz westlicher Lehrer mit dem Dalai Lama im Jahre 1993 in Dharamsala) folgen Interviews zur Verbreitung des Tibetischen Buddhismus in den Westen.

Zu Wort kommen Jeremy Russel, Tenzin Geyche Tethong (ein langjähriger Sekretär des Dalai Lama) und Geshe Lhakdor (Direktor der LTWA in Dharamsala). Die unbekümmerte, offene und teilweise humorvolle Art in der Jeremy Russel, Tenzin Geyche Tethong und Geshe Lhakdor im Mittelteil der Dokumentation über die Begegnungen des Tibetischen Buddhismus mit der nicht-tibetischen Welt erzählen, steht in krassem Kontrast zu den dargestellten Leiden der ersten 10 Minuten. Ich, als Zuschauer, bin irritiert: das Leid der Betroffenen scheint diesen Menschen gleichgültig zu sein. Alle drei Erzähler wirken im Kontrast zu den zu Anfang der Dokumentation aufgetretenen Personen irgendwie naiv bis rührselig. Positiv unterstellend könnte man vermuten, diese Protagonisten wussten vielleicht gar nicht, an welchem Filmprojekt sie da mitwirkten und zu welchem Thema andere befragt wurden.

Im Zusammenhang des Titels der ARTE-Dokumentation und ihrer Bewerbung durch ARTE, in der es ausschließlich um Missbrauch geht, sowie der Wucht des Inhalts fällt dieser Teil für mich aus dem Rahmen.

Zurück zum Hauptthema der Dokumentation

Nach diesem Exkurs zum Beginn der Verbreitung des Tibetischen Buddhismus über das Exil in Indien und von da in die ganze Welt geht es zurück zu Fällen sexualisierter Gewalt. Weitere Gruppen werden angesprochen wie Shambhala, Rigpa, FWBO/Triratna, und, weniger bekannt, Namkha Rinpoche oder ausführlicher behandelt wie Rigpa / Sogyal Rinpoche.

Zu Wort kommen Oane Bijlsma, Rob Hogendoorn, Tenzin Palmo, Stephen und Martine Batchelor, Mimi, Marion Dapsance (eine französische Anthropologin), Raphaël Liogier (ein französischer Soziologe und Philosoph, der sehr Interessantes über die Schaffung eines »virtuellen Tibet« sagt) und Oliver Raurich, ehemaliger Rigpa Direktor von Frankreich.

Zu diesen Fällen führe ich hier nichts weiter aus, da diese so schmerzhaften, traurigen und wirklich beschämenden Fälle – bis der Fall von Namkha Rinpoche – recht gut dokumentiert sind und über sie ausführlich – u.a. auch durch meine Blogs und Webseiten – berichtet wurde. Wer diese Fälle bisher nicht kannte, kennt sie nun zudem durch die ARTE-Dokumentation.

Geldflüsse, Schweigen, Unterstellungen und Vorwürfe der Täuschung

Nach zirka einer Stunde wird die Frage nach den Geldflüssen gestellt.

Ein Arzt der OKC-Gemeinschaft berichtet, dass Matthieu Ricard von der Anklage gegen Robert Spatz / OKC gewusst hat, damit aber nichts zu tun gehabt haben wolle. Ricards Heimatkloster, das Shechen Kloster in Nepal, hat 100.000 € von Spatz als Spende erhalten. Arte berichtet, dass Ricard sein zweistündiges Interview, das er ARTE gab, wieder vollständig zurückzog und die Verwendung durch seine Anwälte untersagte.

Diese Darstellung von ARTE vermittelt den Eindruck, Ricard interessiere das Schicksal der Betroffenen nicht, sein Interesse sei rein materieller Art. Im Französischen heißt die ARTE Dokumentation: »Bouddhisme, la loi du silence« (»Buddhismus, das Gesetz des Schweigens«). Die Filmemacher, Elodie Emery und Wandrille Lanos, bringen zeitgleich zur Dokumentation ein gleichnamiges Buch auf den französischen Markt, »Bouddhisme, la loi du silence«, dessen Grundlage die Aussagen von 32 Missbrauchsopfern im Buddhismus sind. Ricard wird in der Dokumentation als einer derjenigen dargestellt, der sich diesem »Gesetz des Schweigens« unterworfen hat.

Matthieu Ricard wehrt sich gegen diese Darstellung in einer Stellungnahme. Laut Ricard läge den Autoren der ARTE Dokumentation ein Brief von ihm vor, in dem er darauf hinweise, dass er schon vor Jahren in einem Schreiben an die Opfer von Robert Spatz dessen Handlungen verurteilt und den Adressaten zugesichert habe, »dass sie diesen Brief bei der Gerichtsverhandlung 2019 als Anklagepunkt verwenden könnten.« Ricard weiter, »Das hindert sie [die Filmemacher] jedoch nicht daran, mich als Komplizen dieses ›Gesetzes des Schweigens‹ darzustellen«. Ricard schreibt, dass seine »Verurteilung der Handlungen von Robert Spatz, Sogyal Rinpoche und den falschen Meistern … uneingeschränkt« seien und er das auch in verschiedenen Medien immer wieder zum Ausdruck gebracht habe. Weiter stellt Ricard:

klar, dass ich Robert Spatz nie nahe gestanden habe, dass ich ihm nur bei öffentlichen Veranstaltungen begegnet bin, zuletzt 1994, während die ersten Anschuldigungen erst 1997 auftauchten, dass ich nie im Besitz von nicht öffentlichen oder nicht bereits an die Justiz weitergeleiteten Informationen über die Verfehlungen von Robert Spatz oder Sogyal Rinpoche war und dass ich niemals irgendein materielles Interesse an einem buddhistischen Zentrum oder Kloster gehabt habe. Ich habe auch absolut keinerlei materielle Interessen, da ich 100 Prozent der Urheberrechte an meinen Büchern, Fotografien und Vorträgen an Wohltätigkeitsorganisationen spende und außer meinem Computer und meinen Kameras keine materiellen Besitztümer habe.

Des Weiteren wirft Ricard den Filmemachern, Elodie Emery und Wandrille Lanos, Täuschung vor:

Ein Interview wurde von einem der Journalisten des Dokumentarfilms aufgenommen. Um es zu erhalten, hatte mir dieser erklärt, dass er einen Film über die Geschichte des Buddhismus und dessen Beziehung zur neurowissenschaftlichen Forschung vorbereite. Ich erklärte mich in gutem Glauben bereit, daran mitzuwirken. Als der Journalist mitten im Gespräch das Thema wechselte und mich mit falschen Anschuldigungen konfrontierte, ich hätte den verurteilten Kriminellen Robert Spatz unterstützt (1), wurde mir klar, dass es sich bei dem zugesandten Filmprojekt um eine Fälschung handelte. Am nächsten Tag wurde mir klar, dass der Titel des Dokumentarfilms ›Verrückte Weisheit: Der Schwindel des tibetischen Buddhismus‹ lauten müsste. Da ich mein Leben dem Studium und der Bewahrung des tibetischen Buddhismus gewidmet hatte, konnte weder an diesem Dokumentarfilm mitwirken noch einem Journalisten vertrauen, der mich darüber getäuscht hatte, eine wahrheitsgetreue Wiedergabe meiner Aussagen zu machen. Ich habe deshalb gefordert, mein Interview nicht zu verwenden.

Bezüglich der 100.000€-Spende an das Shechen-Kloster merkt Ricard in einer Aktualisierung seiner Stellungnahme an:

Was die Spende betrifft, die das Shechen-Kloster 1995 in Nepal von Robert Spatz für den Bau eines Philosophischen Kollegs erhalten hat (das hauptsächlich von der Europäischen Kommission unterstützt wurde), so wurde Robert Spatz damals keines Verbrechens angeklagt und es gab keinen ethischen Grund, warum das Kloster seine Spende ablehnen sollte. Ich habe all diese Informationen zusammen mit den Daten den Produzenten des Dokumentarfilms im Mai 2021 gegeben, aber sie haben sie ignoriert und absichtlich nicht in den Film aufgenommen.

Das Schreiben, auf das sich Ricard bezieht, enthält allerdings keine Verurteilung, wie von Ricard behauptet, sondern beantwortet sachlich Fragen. Auf die Frage: »Ist es wahr, dass es buddhistische Einweihungen gibt, die sexuelle Berührungen, Penetrationen (mit oder ohne Gegenstände) oder Massagen rechtfertigen können?« antwortet Ricard mit »Das ist undenkbar.« Auch das stimmt nicht. (2)

Die Anschuldigung Ricards über das Anliegen der Dokumentation getäuscht worden zu sein, lässt sich durchaus beim Betrachten des Films erahnen, sofern sich der Zuschauer der offenen und unbekümmerten Art von Jeremy Russel, Tenzin Geyche Tethong und Geshe Lhakdor im Mittelteil der Dokumentation erinnert.

Auf Nachfrage bestätigte mir Jeremy Russel, ihm sei gesagt worden, die Dokumentation behandele die frühe Zeit des Buddhismus im Westen. Da sich Wandrille Lanos scheinbar aufrichtig für das Thema interessierte, habe er sich einverstanden erklärt mitzuwirken, da es bisher über diese frühe Zeit in Dharamsala keine Dokumentation gibt. Er wusste nicht, dass der Film die Missbrauchsopfer unterstützen sollte, und er hatte keine Vorstellung davon, dass der Film sich auf ihre Zeugnisse konzentrieren würde. Auch er fühle sich düpiert. Auch Jetsünma Tenzin Palmo bestätigte mir, dass ihr nicht mitgeteilt wurde, dass sich der Dokumentarfilm auf Missbrauch und die Aussagen von Missbrauchsopfern konzentriert.

Im Erstkontakt schrieb mir Elodie Emery im Januar 2020 sie arbeite »an einer Fernsehdokumentation über den tibetischen Buddhismus im Westen im Allgemeinen.« Sie erkundigte sich dabei aber auch explizit über Missbrauch und bezog sich auf meinen englischsprachigen Blog. Mir war also klar, worum es in der Dokumentation geht. (Die Filmemacher habe ich nachfolgend u.a. mit Kontakten unterstützt.)

Ricard kann man vorwerfen, er drehe den Spieß um, nicht der Kritisierte soll darüber nachdenken, was er getan hat, sondern der Kritiker. Mehrere Buddhist:innen stimmten diesem Vorwurf zu, das habe »System im Tibetischen Buddhismus«.

In Bezug auf die Filmemacher lässt sich argumentieren, sie seien investigative Journalisten. Daher sei ihr Vorgehen, Interviewte über das Hauptanliegen der Dokumentation zu täuschen sowohl ethisch akzeptabel wie auch notwendig, um Missstände aufzudecken. Eine Wissenschaftlerin, die ich um Rat fragte, widersprach dem, es sei nicht illegal, aber ethisch nicht korrekt. (Siehe Guidelines for Journalistic Work) Im Pressecodex lässt sich meines Erachtens keine klare Aussage dazu finden. Matthieu Ricard hat im Rahmen des Presserechts gehandelt, als er sein Einverständnis zur Veröffentlichung seines Interviews zurückzog.

In der Huffington Post antwortet Elodie Emery auf Ricards Anschuldigungen wie folgt:

»Matthieu Ricard hat nie öffentlich und namentlich diejenigen angeprangert, die er heute als ›falsche Meister‹ bezeichnet. Im Laufe der Jahre wurde er immer wieder von Opfern um eine solche Stellungnahme gebeten. Er wiederholte, dass dies nicht seine Aufgabe sei, aber vor allem fuhr er fort, die inkriminierten Zentren zu besuchen. Das geht so weit, dass diese Besuche von den Anwälten von Robert Spatz als Bürgschaft, als Unterpfand für die Legitimität des Gurus verwendet werden.«

»Der letzte Besuch fand 2019 statt, während die ersten Durchsuchungen der Polizei in Spatz’ Zentren 1997 stattfanden«, fügte die Journalistin hinzu. »Wir baten um ein Interview, in dem viele Themen angesprochen werden sollten, wie seine Rolle als Bindeglied zwischen der europäischen und der asiatischen Kultur, aber auch das Konzept der ›Hingabe‹, das die Grundlage für alle Missbräuche bildet. Es ist etwas spät, die ›Ambitionen dieser Dokumentation als heilsam‹ zu bewerten, wenn er den Sender unter Druck gesetzt hat, seine Antworten nicht auszustrahlen.«

Matthieu Ricard antwortet auf die Behauptung, der letzte Besuch habe 2019 stattgefunden:

Ich habe tatsächlich einen Ort im Jahr 2019 besucht, der von Robert Spatz gegründet wurde. Er hatte den Ort jedoch 15 Jahre zuvor verlassen. In der Zwischenzeit war das Zentrum von einem bhutanesischen Mönch geleitet worden, der zu dessen vollsten Zufriedenheit gearbeitet hatte.

Tibeter als Geflüchtete: Nur hinter dem Geld der Westler her?

Die Dokumentation stellt die Tibeter als mittellose Flüchtlinge dar, die nur den Buddhismus als Ware zu bieten hätten und folglich auch nur damit Handel treiben könnten. Sie bräuchten die finanzielle Unterstützung von Menschen in ihren Exilländern, um Geld nach Indien zu leiten. Rob Hogendoorn behauptet in der Dokumentation:

Die Tibeter sind ständig auf der Suche nach Sponsoren. Es ist eine Bettlerwirtschaft. Sie sind Flüchtlinge, sie haben keine andere Einnahmequelle als ihre Religion. Es besteht eine finanzielle Co-Abhängigkeit zwischen den reichen Lamas im Westen und den Exilgemeinden in Indien. (3)

Ein Akademiker aus Kanada mit (Anti-)Rassismus-Training, der anonym bleiben will, lehnt diese Charakterisierung der Tibeter als einer »Bettlerwirtschaft«, die […] westliche Anhänger schröpfen will, ab. Das, was Hogendoorn sagt, sei »eine solche Verallgemeinerung und offen gesagt ziemlich rassistisch.«

Genau diesen Faden jedoch greifen die Filmemacher auf und unterstellen konsequent, Tibeter im Westen hätten es nur auf das Geld der Westler abgesehen. Alles, was nachfolgend angeführt wird, soll diese erniedrigende Unterstellung belegen.

Folglich berichtet Michael Nolan z.B., wie er Gelder für Sogyal Rinpoche über die Grenze schmuggeln musste – mit der Warnung: »Wenn du es verlierst, bist du tot!«. Ein tibetischer Kloster-Manager schildert die Abhängigkeit der Klöster von großzügigen Spenden aus dem Ausland. Laut Rob Hogendoorns Berechnungen hätten 14 Rigpa-Zentren allein im Zeitraum von 2012 – 2019 ca. 58 Millionen € eingenommen.

Was die Filmemacher völlig auslassen, um dieses vereinfachende Narrativ zeichnen zu können: Tibeter gehören in der Welt, egal ob der Schweiz, in Kanada oder den USA, zu den am besten integrierten Geflüchteten. Sie haben berufliche oder akademische Abschlüsse, Jobs und Einkommen, das sie mit ihren Familien in Indien und Tibet teilen.

Die meisten von ihnen litten an Unterernährung. Doch innerhalb von drei Jahren waren fast alle Erwachsenen »erwerbstätig« und »in der Lage, sich selbst angemessen zu ernähren, zu kleiden und unterzubringen«. – The Star

Es gibt keine Probleme mit Tibeterinnen und Tibetern. Dies gilt auch für die Kriminalität. … Tibeterinnen und Tibeter sind in allen Teilen der Gesellschaft vertreten und beruflich überdurchschnittlich erfolgreich. Dass das so ist, verdanken sie in erster Linie sich selbst. – Mario Fehr (NZZ)

Die tibetische Diaspora im Westen hat sich als erfolgreich erwiesen. Sie haben viele kleine Unternehmen gegründet und sind einfallsreich bei der Anpassung von Lebensmitteln, Waren und Dienstleistungen an die lokalen Bedürfnisse. – Migrationpolicy.org

Auch Lehrer, die ich persönlich kenne, z.B. Ringu Tulku Rinpoche, haben kein Geld der Zentren nach Indien oder Tibet geleitet. Seit ich ihn 2003 kennengelernt habe, hat er jedesmal die Spenden dem Berliner Zentrum zurückgegeben: »Es ist Euer Zentrum, verwendet es dafür.« Geshe Thubten Ngawang vom Hamburger Zentrum hat, wann immer Leute ihn unterstützen wollten, gesagt: »Wenn Sie mich unterstützen wollen, unterstützen sie das Tibetische Zentrum und seine Projekte.« Auch Lama Zopa Rinpoche hat in den Niederlanden alle Spenden an das Zentrum vor Ort zurückgegeben. Aber all dieses kommt nicht zur Sprache.

Auf Differenzierung, die nicht in das Narrativ total vom Westen abhängiger und irgendwie geldgieriger Tibeter passt, verzichten die Filmemacher.

Natürlich gibt es auch Spenden an Klöster, Mönche, Nonnen und für humanitäre Projekte wie Schulen oder Krankenstationen in Indien oder Tibet. In den mir bekannten Fällen, waren es engagierte westliche Buddhist:innen, die aus Mitgefühl dafür extra Vereine gegründet haben. Auch in unserer Kultur hängen zahlreiche Projekte von Spenden ab – von Greenpeace über politische Parteien, Hilfe für Geflüchtete und die Tafeln, Amnesty International, Tierschutz und viele wissenschaftliche Projekte.

Der Dalai Lama und das Missbrauchsthema

Neu war für mich, dass, laut Stephen Batchelor, der Dalai Lama den westlichen Lehrern auf der Konferenz 1993 versprochen hat, die Einladungen umstrittener (missbräuchlicher) Lehrer nicht mehr anzunehmen. Doch hat er sich nicht daran gehalten.

Der dramaturgische Höhepunkt des ersten Teils der Dokumentation ist eine Aussage von Stephen Batchelor, in der er betont, dass der Dalai Lama am Ende der Konferenz auch nicht seine Unterschrift unter den Offenen Brief setzte, der auf der Konferenz verfasst wurde. Damit erzeugen die Filmemacher den Eindruck, der Dalai Lama stehe nicht hinter der Konferenz und deren Anliegen. Auf diese Aussage Batchelors zum Offenen Brief und der fehlenden Unterschrift, lassen die Filmemacher das Missbrauchsopfer Ricardo Mendes zu Wort kommen:

Durch meine Kinderaugen damals sah ich den Dalai Lama als die Verkörperung der Güte. Warum hat er nichts getan? Mir wurde klar, dass er nicht nur ein geistliches Oberhaupt sondern auch ein Politiker ist, seine Prioritäten liegen woanders.

Der Zuschauer erfährt von den investigativen Journalisten nicht, was der Grund dafür war, dass der Dalai Lama den Offenen Brief nicht unterschrieb. Die Filmemacher hätten Tenzin Geyche Tethong, den von ihnen interviewten langjähriger Sekretär des Dalai Lama, fragen können, taten das aber nicht. Ich habe Sylvia Wetzel, eine der Teilnehmer:innen der Konferenz, gefragt. Ihre Antwort war, nach der Konferenz sei ihnen offiziell mitgeteilt worden:

Der Dalai Lama wurde von seiner Regierung unter Druck gesetzt seine Unterschrift zurückzuziehen.

Dr. Alexander Berzin gibt folgenden Kontext zum Offenen Brief:

Ich war bei dem Treffen des Netzwerks westlicher buddhistischer Lehrer mit Seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama im März 1993 anwesend und war einer der Autoren und Unterzeichner des Offenen Briefes, den wir geschrieben haben. Der Brief war eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, auf die wir uns alle als Ergebnis unserer Präsentationen und Diskussionen mit Seiner Heiligkeit während der Konferenz geeinigt hatten. Obwohl Seine Heiligkeit alle darin enthaltenen Punkte unterstützte und einige der Teilnehmer es gerne gesehen hätten, dass Seine Heiligkeit den Brief auch unterschreibt, wurde es als unangemessen angesehen, dass er unterschreibt, da Seine Heiligkeit kein Papst ist und der Brief nicht als Richtlinie gedacht war, die alle Buddhisten befolgen müssen. Vielmehr handelte es sich um eine Reihe von Grundsätzen, die andere buddhistische Lehrer einladen sollten, sich ihnen anzuschließen, und deshalb wurde er als »Offener Brief« bezeichnet. Man kam überein, dass ein offener Brief im Namen vieler der ranghöchsten westlichen buddhistischen Lehrer der effektivste Weg wäre, um andere Lehrer zur Unterschrift zu bewegen und so der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass die wenigen missbräuchlichen buddhistischen Lehrer, die es gibt, nicht die große Mehrheit der buddhistischen Lehrer repräsentieren, die alle die im Offenen Brief dargelegten Prinzipien befürworten. – Dr. Alexander Berzin (4)

Eine andere Teilnehmerin des Treffens, Thubten Chodron Bhikshuni, antwortete auf meine Email-Anfrage:

Ich war bei der Versammlung 1993 dabei und stimme mit Alex Berzins Aussage überein (außer dass ich nicht an der Abfassung des Offenen Briefes beteiligt war). Soweit ich mich erinnere, gab es anfangs nicht die Überlegung, HHDL zu bitten, ihn zu unterschreiben. Als ihn später auf der Konferenz jemand fragte, antwortete er, wenn er ihn unterschreibe, würden die Leute denken, es sei wie eine Enzyklika des Papstes, was zu großer Verwirrung führen würde, da er nicht die Macht habe, Erlasse für alle tibetischen Buddhisten zu erlassen, geschweige denn für alle Buddhisten. (Der Offene Brief richtete sich an alle Buddhisten.) Außerdem war er der Meinung, dass es effektiver wäre, wenn westliche Buddhisten sich selbst gegen Missbrauch aussprechen würden.

(Der Offene Brief war sehr umstritten, als er in westlichen buddhistischen Zeitschriften veröffentlicht wurde. Obwohl er nur von westlichen Buddhisten unterzeichnet war, dachten einige Leute, wir würden unsere Gruppe als Autorität darstellen und Regeln und Richtlinien aufstellen, die alle tibetischen Buddhisten oder alle Buddhisten im Allgemeinen befolgen müssten.) (5)

Während Stephen Batchelor in der Dokumentation dem Dalai Lama den schwarzen Peter zuzuschieben scheint, indem er betont der Dalai Lama habe ja den Brief nicht unterzeichnet (was auch gar nicht vorgesehen war), kann man der Original-Videoaufzeichnung entnehmen, dass Jack Kornfield auf die Frage des Dalai Lama, wer denn die Verantwortung für das Weitertragen der Ideen und der Arbeit der Konferenz trägt, antwortet, in Europa seien das Stephen und Martine Batchelor. (6)

Seit der Konferenz 1993, also seit knapp 30 Jahren, hat sich der Dalai Lama immer wieder in Interviews, Vorträgen und Büchern auf diese Konferenz bezogen. Das Hauptanliegen der Konferenz hat der Dalai Lama immer unterstützt, nämlich unethische Handlungen buddhistischer Lehrer zu verurteilen und diese durch Öffentlichmachen zu stoppen. Auch ermutigte er Journalisten für Ihre Recherchen zu Missständen eine »lange Nase« zu haben. Diese Tatsachen passen nicht zur These der Filmemacher, es gäbe eine Omertá des Schweigens, die auch vom Dalai Lama ausginge. Wohlwollend, den Kontext der Zeit und beider Kulturen betrachtend, könnte  man sogar sagen, das war vor 30 Jahren ›revolutionär‹. Die Teilnehmer:innen der Konferenz mussten sich jedenfalls danach von anderen Buddhist:innen anhören, sie würden sich als »Dharma-Polizei« aufspielen.

In der Huffington Post kritisiert Elodie Emery:

»Es war nicht das einzige Mal, dass er [der Dalai Lama] auf den Missbrauch angesprochen wurde. Er antwortete stets, dass es die Pflicht der Anhänger sei, sie anzuzeigen. Aber privat rät sein Büro den Opfern, sich still und leise vom Meister zu entfernen. Seinen Meister anzuzeigen, ist ohne die Unterstützung und den Rückhalt der Institution nicht durchführbar, da die Personen der Lüge bezichtigt und geächtet werden«, erläutert die Journalistin und fügt hinzu, dass der Dalai Lama nicht die einzige religiöse Figur ist, die schweigt oder untätig bleibt.

Elodie Emery stimme ich zu, Missbrauch kann nicht (oder nur schwer) »ohne die Unterstützung und den Rückhalt der Institution« gestoppt werden, »da die Personen der Lüge bezichtigt und geächtet werden.« Von einer Pflicht sprach der Dalai Lama soweit mir bekannt allerdings nie. Er selbst spricht eher von Ermutigung, er ermutigt Schüler Fehlverhalten öffentlich zu machen. Oder, »das beste ist«, alternativ, »sollten«:

Kritisieren Sie offen. Das ist der einzige Weg. Wenn es unwiderlegbare Beweise für Fehlverhalten gibt, sollten die Lehrer damit konfrontiert werden. Sie sollten ihr Fehlverhalten zugeben, Wiedergutmachung leisten und sich einem Rehabilitationsprozess unterziehen können. Wenn ein Lehrer nicht reagiert, sollten die Schüler die Situation in einer Zeitung veröffentlichen, ohne den Namen des Lehrers wegzulassen. … Die Tatsache, dass der Lehrer vielleicht viele andere gute Dinge getan hat, sollte uns nicht zum Schweigen bringen.

Zumindest der Dalai Lama spricht auch nicht davon sich »still und leise vom Meister zu entfernen«. Er sagte bei der Konferenz im Jahr 1993: »Wenn jemand Schülerin oder Schüler eines missbräuchlichen Lehrers ist und Sie sehen, dass ihre oder seine Beziehung zu diesem Lehrer schädlich ist, sollten Sie diese Schülerin oder diesen Schüler warnen.«

Obwohl der Dalai Lama seit mindestens 1993 vom Machtmissbrauch Sogyal Rinpoches wusste, weihte er dennoch dessen Tempel, Lerab Ling in Frankreich, am 22. August 2008 persönlich ein. Welche möglichen Gründe er gehabt haben könnte, wird nicht untersucht.

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Dabei lässt sich der Hintergrund recht einfach recherchieren. Das Jahr 2008 war das Jahr der Olympischen Spiele in China. Im März 2008 kam es zu Unruhen in Lhasa, der Hauptstadt des von China kolonialisierten und besetzten Tibet. Tibets Mönchen und Jugend ging in den Aufstand, »China ließ Panzer aufrollen«, viele Demonstranten wurden inhaftiert. Die chinesische Niederschlagung der Unruhen löste internationale Empörung aus. Die tibetische Exilregierung hatte auf sehr öffentliche Weise um Hilfe gebeten. Der Dalai Lama konnte den französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, nicht treffen, also traf er sich mit der First Lady, Carla Bruni, und dem französischen Außenminister, Bernard Kouchner, anlässlich der Einweihung des Lerab Ling Tempels. (Frankreich hatte zu dieser Zeit den Vorsitz im Europäischen Rat inne). Die Familien der tibetischen Gefangenen waren sehr besorgt, denn seit Monaten hatte man nichts mehr von ihnen gehört, es wurde befürchtet, dass sie hingerichtet werden würden. Von der tibetischen Exilregierung und dem Dalai Lama wurde politisches Handeln erwartet, und man entschied sich, den französischen Präsidenten um Unterstützung durch die europäische Gemeinschaft zu bitten. Aus Gründen der Diplomatie mit China konnte der französische Präsident den Dalai Lama allerdings nicht selbst treffen. Matthieu Ricard war der Übersetzer des Treffens, das in Lerab Ling stattfand. Die Intervention Frankreichs führte zur Freilassung mehrerer tibetischer Gefangener.

Kritisch lässt sich sicher urteilen, dass es ein Fehler war, dass der Dalai Lama die Opfer von Sogyal Lakar / Rigpa bei der Wahl von Lerab Ling letztlich ignoriert und Sogyal Lakar durch den Besuch aufgewertet bzw. als Autorität indirekt bestätigt hat.

Zwar hat sich der Dalai Lama über Jahrzehnte hinweg immer wieder deutlich und konsistent geäußert, dass Missbrauch falsch und unethisch ist und dass er öffentlich gemacht werden soll, um das schädigende Verhalten solcher Lehrer zu stoppen. Betroffene und Beobachter aber werfen ihm vor, dass er mehr hätte tun können. Stattdessen habe er die Verantwortung dafür, Fehlverhalten durch öffentliches Anprangern zu stoppen, als zusätzliche Bürde den Missbrauchsopfern aufgeladen. Mit der Einweihung des Tempels Lerab Ling habe der Dalai Lama Sogyal Rinpoche als spirituelle Autorität bestätigt. Genauso, wie eben auch Rabjam Rinpoche oder Dilgo Khyentse Rinpoche und andere tibetisch-buddhistische Autoritäten die spirituelle Autorität des Kriminellen Robert Spatz und seines Umfeldes durch Besuche, Lehren vor Ort oder Dokumente und den Verleih von Titeln bestätigt hätten.

Der Dalai Lama distanzierte sich erst von Sogyal Rinpoche (»now recently Sogyal Rinpoche, my very good friend, but now he disgraced«), nachdem Sogyals massives Fehlverhalten (physische Gewalt, sexualisierte Gewalt, emotionale Gewalt, finanzieller Missbrauch etc.) durch acht seiner engsten Schüler in einem Brandbrief im Juli 2017 öffentlich wurde und nachfolgend durch die Weltpresse ging. In der Einleitung zu ihrem Schreiben beriefen sich diese acht Schüler auf Aussagen des Dalai Lama, die sie so verstanden, dass »die Schüler der tibetisch-buddhistischen Lamas verpflichtet sind, ihre Bedenken über ihren Lehrer mitzuteilen«. (Die ARTE-Dokumentation erwähnt beides nicht.) Die Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche wurden später weitgehend durch den Lewis Silkin Bericht bestätigt.

Gespräch mit Missbrauchsopfern und Zusagen des Dalai Lama

Wie in der ARTE Dokumentation am Ende berichtet und mit einer Tonaufnahme belegt, traf sich im September 2018 der Dalai Lama mit vier Betroffenen von Missbrauch aus verschiedenen westlich-buddhistischen Gemeinschaften in Rotterdam. Sie übergaben ihm dabei zwölf Erfahrungsberichte und stellten vier Forderungen:

  1. die Erfahrungsberichte persönlich entgegenzunehmen und auf einige ihrer Ideen zu antworten,
  2. das Mind & Life Institut zu bitten, eine Konferenz zum Thema Sexualität und Missbrauch abzuhalten,
  3. das Thema auf die Agenda der November-Konferenz der religiösen Führer aller Traditionen zu setzen und
  4. erneut zu bestätigen, dass buddhistische Lehrer, ebenso wie alle anderen Menschen, nicht über dem Gesetz stehen.

Der Dalai Lama versprach zu handeln und das Thema bei der bevorstehenden November-Konferenz der religiösen Führer aller Traditionen anzusprechen. Diese Konferenz wurde jedoch wegen des plötzlichen Todes eines hochrangigen Nyingma Lamas abgesagt. Dann begann die Covid-Pandemie, die weltweit viele Aktivitäten – einschließlich einer geplanten buddhistischen Konferenz in Indien, bei der es auch einen Panel zu Missbrauch im Buddhismus geben sollte⁵ – zum Erliegen brachte. Soweit einigen OKC Geschädigten bekannt, ist es bis heute nicht zu der Konferenz religiöser Führer aller Traditionen und dem Ansprechen des Missbrauchs durch den Dalai Lama gekommen.

Betroffene von Missbrauch sehen sich vom Dalai Lama und führenden tibetischen Buddhisten im Stich gelassen. Sie sind teilweise sehr enttäuscht und einige, verständlicherweise, sehr wütend.

Auf die Anfragen von ARTE habe der Dalai Lama nicht geantwortet

Am Ende der Dokumentation heißt es auf einer Texttafel: »Auf unsere Anfragen hat er [der Dalai Lama] nicht geantwortet.« Im Kontext der Dokumentation und im Hinblick darauf, dass Ricard sein Interview zurückzog, wirkt dies für mich als Zuschauer so, als seien Ricard und dem Dalai Lama entweder das Thema Missbrauch und die Leiden der Betroffenen gleichgültig oder als versuchten sie, dem Thema auszuweichen, weil sie etwas zu verbergen haben.

Tatsache ist hingegen, dass sich Tashi Bista, der sich als Filmemacher aus Mustang und Mitglied des ARTE Teams vorstellte, Anfang September 2021 wegen eines Interviews an das Büro des Dalai Lama wandte. Er schrieb, die Dokumentation handele vom »Status des Buddhismus in der westlichen Welt« und »unser oberstes Ziel wäre es, nur ein paar Ratschläge von Seiner Heiligkeit zu erhalten. Wenn es irgendeine Möglichkeit für eine Audienz mit Seiner Heiligkeit gäbe, würde das unserem Projekt so sehr helfen. Wir denken, es ist super wichtig, die Stimme Seiner Heiligkeit in diesem wichtigen Dokumentarfilm zu haben.« Das Büro des Dalai Lamas antwortete Tashi Bista, dass ein Interview nicht möglich sei, da es nur ein Treffen pro Woche mit dem Dalai Lama gebe und der Kalender bis Ende das Jahres voll sei. Außerdem werde der Dalai Lama abgeschirmt, um sich nicht mit Covid zu infizieren.

Am 9. September 2021 antworte Tseten Samdup Chhoekyapa, ein Vertreter des Dalai Lama Büros, Tashi Bista: »Es tut mir leid, eine Audienz ist nicht möglich. Wir haben seit März 2020 keine Audienz mehr arrangiert, selbst wenn hohe Würdenträge darum gebeten haben. S.H. [Seiner Heiligkeit] Gesundheit ist das wichtigste.« Auf erneute Anfrage am selben Tag erhielt Tashi Bista die Antwort, »Aufgrund der gegenwärtigen Pandemie bin ich nicht in der Lage, Ihnen zu helfen, da wir die Gesundheit S.H. über alles stellen, wie ich Ihnen vor einigen Monaten schrieb. Das ist die Richtlinie unseres Büros. Keinem indischen Minister oder höchstem Richter haben wie eine Audienz gewährt. Ich hoffe, Sie werden das verstehen.« Auf den Vorschlag einer Online Audienz antwortete Tseten Samdup Chhoekyapa Tashi Bista: »Ich bedauere, keine zustimmende Antwort geben zu können. In Anbetracht der Situation S.H. und der Pandemie, wird nur eine Veranstaltung die Woche gewährt. Wir haben ein wöchentliches Programm bis zum Ende des Jahres. Auch haben [wir] eine lange Liste von Medienanfragen. Wenn Sie irgendwelches Material aus unseren Archiven nutzen wollen, wäre es uns eine Freude, Ihnen hochauflösende Videos zukommen zu lassen.«

Als dann am 23. September Elodie Emery ein weiteres Mal anfragte und wieder auf ein Interview drängte, erstmalig mit dem Hinweis, es gehe dabei um »Überlebende von Missbrauch in buddhistischen Gemeinschaften«, wiederholte Tseten Samdup Chhoekyapa das, was er Tashi bereits zuvor schrieb: »Ich habe Tashi vor 2 Wochen bereits darüber informiert. Wir organisieren nur ein Programm die Woche. [Wir] haben auch eine lange Warteliste bezüglich Medienanfragen. Wenn Sie irgendwelches Material aus unseren Archiven nutzen wollen, wäre es uns eine Freude, Ihnen hochauflösende Videos zukommen zu lassen.«⁶

Die Rolle des Dalai Lama im Tibetischen Buddhismus

An einer Stelle in der Dokumentation wird der Dalai Lama von Stephen Batchelor als »Kirchenoberhaupt« beschrieben, und zu Ende des Film wird insinuiert, er könne zumindest Beschuldigte wie Namkha Rinpoche am Lehren hindern. Das ist so nicht richtig.

Die Rolle des Dalai Lama ist recht komplex. Der Dalai Lama ist primär eine moralische Autorität. Er hat auch Macht und Einfluss, aber er kann weder anderen Lehrern das Lehren verbieten noch sie am Lehren hindern, und er kann sich auch nicht in die Belange anderer Traditionen – Namkha Rinpoche stammt aus der Nyingma-Tradition – einmischen, es sei denn er wird um Rat gefragt. Im Gegensatz zum Papst kann er auch keine Lehrer abberufen, bestrafen oder ihres Amtes entheben.

Buddhismus ist nicht wie die Kirche organisiert. Die Beziehungen der Schulen, Klöster und Oberhäupter untereinander sind komplex. Generell wird sich nicht in die Belange anderer Traditionen oder Klöster / Gruppen eingemischt. Andere Lehrer zu kritisieren ist ein kulturelles Tabu unter Tibetern.

In einem Interview zu Gewalt in buddhistischen Ländern sagte der Asienwissenschaftler Thierry Dodin:

Nun, der Buddhismus ist eine ziemlich anarchische Religion, Klöster genießen hohe Autonomie. Es gibt kaum übergreifende Organisationen und wenn, dann haben sie keine wirkliche Macht, sind untereinander uneins… Es gibt keine von allen akzeptierte Autorität, die über den ganzen Sangha herrscht und verbindliche Regeln aufstellen und Weisungen geben könnte.

Der Dalai Lama spricht gegenüber den Missbrauchsbetroffenen in Rotterdam also eine Wahrheit aus, wenn er sagt: »Aber ladet nicht alle Verantwortung auf meine Schultern.« Er weist die dahintersteckende Projektion und die unrealistische Erwartung zurück, er könne all diese Probleme lösen.

Die komplexen Hintergründe und kulturübergreifende Missverständnisse und Projektionen in Betracht zu ziehen und zu würdigen, heißt für mich allerdings nicht, dass der Dalai Lama nicht weitaus mehr für Missbrauchsopfer hätte tun können und tun kann. Zusätzlich zum Ansprechen des Themas Missbrauch bei den religiösen Führern und dem Einhalten seiner Zusage, Einladungen umstrittener Lehrer nicht anzunehmen – beides hatte er ja bereits vor Jahren zugesagt –, könnte er z.B., wie bereits angeregt, das Thema auf die Agenda einer Mind & Life-Konferenz setzen. Und er hat sicher auch die Möglichkeit anzuregen, dass die Abteilung Religion und Kultur in Dharamsala eine professionelle Unterabteilung einrichtet, bei der man Vorfälle über Missbrauch melden kann und die auf Anfrage verlässliche Informationen über umstrittene Gruppen oder Lehrer geben könnte (ähnlich der Sekteninformationsstelle des Berliner Senats oder einer akademische Einrichtung wie Inform).

Missbrauch in der Exilgemeinschaft der Tibeter im spirituellen und monastischen Kontext anzugehen, wäre meines Erachtens ein dringliches Anliegen. Eine mit dem Leben in Indien und Nepal gut vertraute und erfahrene ordinierte Person betonte, dass Fälle wie die von Sogyal Lakar heutzutage gut dokumentiert und bekannt sind. Über das Ausmaß an Heuchelei und dem Mangel an Mitgefühl ist sie sehr enttäuscht.

Die Lamas in Indien und Nepal mit ihren heimlichen Gefährtinnen und Kindern, die sich immer noch als Mönche ausgeben, sind das Problem. Hinzu kommt, dass mehrere junge Rinpoches ekelhaften und entwürdigenden Cyber-Sex mit ihren unschuldigen Schülerinnen haben. Trotz aller Beweise wird über all dies nicht gesprochen und nichts davon zugegeben. Das Schweigen ist ohrenbetäubend. Dann gibt es natürlich noch die Päderastie und den körperlichen Missbrauch junger Mönche in bestimmten Klöstern. Zustände, die als normal akzeptiert und nie erwähnt werden.

Mangelnde Differenzierung, mangelnde akademische Einordnung

Da die Filmemacher weder Tibetologen, noch Buddhologen oder Asienwissenschaftler in der Dokumentation zu Wort kommen lassen, führen diverse zentrale Aussagen – wie z.B. zur Rolle des Dalai Lama – den Zuschauer in die Irre und verleiten ihn dazu, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Dass die Dokumentation konsequent den Tibetischen Buddhismus mit Buddhismus allgemein gleichsetzt, ist ein weiteres Beispiel für die Oberflächlichkeit des Beitrags. Der akademische Kontext hätte eine besseren Einordnung ermöglicht und für ein besseres Verständnis von buddhistischer Spiritualität, Orthodoxie, den verschiedenen Formen der buddhistischen Traditionen sowie den komplexen Machtverhältnissen und Motivationen im Tibetischen Buddhismus.

Der Dalai Lama z.B., Friedensnobelpreisträger, ist weder das Oberhaupt aller buddhistischen Traditionen, noch das Oberhaupt der tibetischen buddhistischen Traditionen – ist nicht einmal das Oberhaupt seiner eigenen, der Gelug Tradition. Er hat keinerlei Befugnis, anderen Traditionen wie der Nyingma Tradition, aus der Sogyal und Spatz stammen, auch nur Ratschläge, geschweige denn Weisungen zu erteilen.

Die Filmemacher unterlassen es auch zu hinterfragen, wie die Eltern, Behörden, Verwandten, Freunde, die Justiz, die buddhistischen Gemeinschaften vor Ort, wie die länderspezifischen buddhistischen Unionen in Europa oder den USA derart versagen konnten.

Um jetzt nicht missverstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, Verantwortung auf möglichst viele (andere) Schultern zu verteilen und Verständnis für die Täter (und Mittäter) zu wecken im Sinne von »alles verstehen heißt alles verzeihen.« Doch nur wenn der Kontext klar wird, indem Missbrauch entstehen und andauern konnte und kann, ist es möglich, die Ursachen dafür zu finden und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um derartiges Leid in Zukunft zu verhindern.

Mein Fazit

Das wichtige Ziel der Filmemacher, einerseits Missbrauch öffentlich zu machen, die Sicht der Betroffenen einzunehmen und ihnen eine Stimme zu geben, sowie andererseits das Wegsehen und Schweigen derer anzuprangern, die durch ihr Verhalten das Leid der Betroffenen perpetuiert haben, wird leider dadurch sabotiert, dass beim Zuschauer der Eindruck vermittelt wird, alle würden decken, was geschieht. Durch diese Machart wirkt die ARTE-Dokumentation letztlich in erster Linie wie ein Frontalangriff auf den – als menschenverachtend dargestellten – Tibetischen Buddhismus, verkörpert durch den Dalai Lama und Matthieu Ricard, und bleibt plakativ und oberflächlich. Wichtige Fragen, z.B. inwieweit es sich um ein systemisches Problem des Buddhismus handeln könnte, werden nicht einmal gestreift. Chance vertan. Schade!

Und doch: Wichtig ist der Beitrag, weil er das Leid der Opfer von Missbrauch in den Mittelpunkt stellt. Wünschen würde ich mir, dass er Buddhist:innen (und nicht nur diese) so wachrüttelt, dass es zu einem grundsätzlichem Wandel im Umgang mit Missbrauch im Buddhismus (und nicht nur dort) kommt. Gefordert sind Wachsamkeit, Achtsamkeit, und aktives Mitgefühl.

Zuletzt geändert, 02.10.22 um 0:05
(Zitat Buch Filmemacher + Alex Berzin + Thubten Chodron + Batchelor)

Updates


¹ siehe Fußnote 2 in »Robert Spatz, the OKC cult’s guru given a 4 year suspended sentence« (11.03.2017)

² Details siehe »Robert Spatz, the OKC cult’s guru given a 4 year suspended sentence« (11.03.2017);

³ Ringu Tulku Rinpoches Schülerin Inès Wouters koordiniert die Aktivitäten des Bodhicharya Büros in Brüssel, einschließlich der Besuche von Ringu Tulku Rinpoche. Vor Gericht in Belgien wirkte sie als Anwältin der Frau von Robert Spatz. Als Anwältin der Frau des Täters war sie gut über die Anschuldigungen informiert, lud aber weiter Ringu Tulku ein, Unterweisungen in OKC zu geben.

⁴ siehe dazu 1) die Aussagen der Betroffenen in den ersten 10 Minuten der ARTE Dokumentation vor Gericht und Ricardo Mendes am Ende der Dokumentation in der aufgezeichneten Diskussion vom Treffen Geschädigter mit dem Dalai Lama; 2) den ausführlichen Bericht einer von sexualisierter Gewalt betroffenen Minderjährigen: Testimony from an Ogyen Kunzang Choling (OKC) Survivor und 3) Anna Sawerthal über Livia, 14 Jahre alt, in Missbrauch und Buddhismus: Hinter der lächelnden Fassade, 4) Claudia Frey, a former girl from the OKC community, recounts the influence of guru Robert Spatz

⁵ Zu diesem Panel über Missbrauch im Buddhismus in Indien war ich eingeladen. ARTE wollte mich dahin begleiten. Wegen der Pandemie wurde die Konferenz abgesagt.

⁶ Zwei unterschiedliche Quellen in Dharamsala bestätigten mir, dass es sich bei der Absage nicht um eine politische sondern gesundheitlich-zeitliche Absage gehandelt habe. Nachdem mir das mündlich erklärt wurde, bekam ich nachfolgend auch die Screenshots der Kommunikation als Beleg zugesendet. Aus diesen Screenshots stammen die Zitate.

Updates Fußnoten

(1) Geändert von Ricard am 17.09.2022

(2) Ergänzung Ricards vom 12.09.22:

»Seit meinem ersten Buch, das 1997 erschien, habe ich einen Bekanntheitsgrad erlangt, den ich weder gewünscht noch angestrebt habe. Ich gebe zu, dass ich mir nicht ausreichend bewusst war, dass diese Bekanntheit eine neue Verantwortung mit sich brachte, nämlich die, sich einzumischen, um den Verurteilungen der Justiz und den Zeitungsartikeln über diese Kriminalfälle meine Stimme hinzuzufügen. Ich verstehe, dass die Opfer von mir eine lautere öffentliche Unterstützung erwartet hätten, dass ich die Urheber dieser Verbrechen und Unterschlagungen energischer verurteile, als ich es bereits 2017 in mehreren Sendungen oder Blogs getan habe, und ich bedauere dies zutiefst.«

Ergänzung Ricards vom 17.09.22:

»Ich halte es für unerlässlich, dass eine repräsentative, wie die Französische Buddhistische Union Union oder eine andere Einrichtung, diese Verantwortung übernimmt und als Hüterin gegen künftige Abweichungen von der Macht fungiert. Vor allem aber scheint es notwendig zu sein, wie es im Katholizismus der Fall ist, eine Struktur zu schaffen, die es den Opfern ermöglicht, in Sicherheit angehört zu werden und psychologische und rechtliche Unterstützung zu erhalten. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, uns um die Opfer zu kümmern und andere durch Aufklärung zu schützen, damit sich ein solcher Missbrauch in der Zukunft nicht wiederholt.«

(3) »The Tibetans are constantly looking for sponsors. It is a beggar’s economy. They are refugees, they have no source of revenue other than their religion. There is financial co-dependency between the rich lamas in the West and exile communities in India.« – Rob Hogendoorn 1:08:25 (Übersetzt aus der franz. Dokumentation)

(4) Zugesendet per Email vom 29.09.2022:

»I was present at the March 1993 meeting of the Network of Western Buddhist Teachers with His Holiness the 14th Dalai Lama and was one of the authors and signatories of the Open Letter that we wrote. The letter was a summary of the main points that we had all agreed upon as a result of our presentations and discussions with His Holiness during the conference. Although His Holiness endorsed all the points in it and some of the participants would have liked His Holiness also to sign it, it was considered inappropriate for him to sign since His Holiness is not a Pope and the letter was not intended as a directive that all Buddhists must obey. Rather, it was a set of principles that other Buddhist teachers would be invited to sign on to and therefore it was entitled an ›Open Letter.‹ It was agreed that an open letter in the name of many of the most senior Western Buddhist teachers would be the most effective way of getting other teachers to sign on and thus making known to the public that the few abusive Buddhist teachers that there are do not represent the the vast majority of Buddhist teachers, all of whom endorse the principles outlined in the Open Letter.

Dr. Alexander Berzin«

(5) Zugesendet per Email am 1.10.22:

»I was at the 1993 gathering and agree with Alex Berzin’s statement (except I wasn’t involved in writing the Open Letter). As I recall, initially there wasn’t the thought to ask HHDL to sign it. Later in the conference, when someone asked him, he replied that if he signed it, people would think it was like an encyclical from the Pope, which would lead to much confusion because does not have the power to issue edicts for all Tibetan Buddhists, let alone all Buddhists. (The Open Letter was directed to all Buddhists.) In addition, he thought it would be more effective if Western Buddhists ourselves spoke out against abuse.«

»(As it was, the Open Letter was very controversial when it was published in Western Buddhist magazines. Even though it was signed only by Westerners, some people thought we were setting our group as an authority and establishing rules and policies that all Tibetan Buddhists or all Buddhists in general must follow.)«

(6) Als der Dalai Lama fragt, wer die Verantwortung für das Weitertragen der Ideen und der Arbeit der Konferenz trägt, antwortet Jack Kornfield, dass man die Verantwortung aufgeteilt habe. Für zukünftige »Konferenzen und Korrespondenzen« seien ein US amerikanisches Zentrum in Arizona und Stephen und Martine Batchelor in Europe verantwortlich. Video 8/8 (1:03)

»Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung« – Eine ARTE Dokumentation

12 Gedanken zu „»Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung« – Eine ARTE Dokumentation

  • 9. September 2022 um 11:28
    Permalink

    Wie ist denn der Gerichtsprozess bzgl. der Missbrauchsvorfälle von Dagri Rinpoche ausgegangen? Ich finde nichts zu einem Urteilsspruch im Internet. Auch habe ich kein Statement von S.H. dem Dalai Lama zu der Angelegenheit gefunden. Gehört Dagri Rinpoche nicht zur selben Tradition, so dass es ihm in diesem Fall erlaubt wäre, etwas dazu zu sagen?

    Antworten
    • 9. September 2022 um 15:19
      Permalink

      Danke dir für deinen Kommentar. Ich weiß nicht, was aus dem Gerichtsfall wurde. Müsste ich recherchieren. IR hatte ich bei den Artikeln dazu oder Kommentaren den Link zum Gericht und dessen Einträge zum Fall + Fallnummer beigefügt, so dass jeder selbst nachsehen kann. Später habe ich das nicht mehr verfolgt.

      Auch habe ich kein Statement von S.H. dem Dalai Lama zu der Angelegenheit gefunden.

      Der Dalai Lama hat Dagri Rinpoche persönlich ausrichten lassen, dass er sein Verhalten für völlig falsch hält, hat ihm nicht mehr erlaubt auf der Bühne zu sitzen, wenn er lehrt (traditionell Ehrenplätze) und er hat einen Brief an Roger Kunsang, Chef der FPMT, senden lassen, indem er ein korrektes Vorgehen angemahnt hat.

      Du findest den Server Zugang zum Verfahren und was der Dalai Lama schrieb hier…

      Seine Heiligkeit rät, dass man, wann immer Ausbeutung, sexueller Missbrauch oder andere Formen von Missbrauch geschehen, diese öffentlich machen sollte. Das ist der einzige Weg, um das schädliche Verhalten eines Lehrers zu stoppen. Dies mit guter Motivation zu tun, ist der richtige Weg, ein falsches Verhalten zu korrigieren – um zu verhindern, dass diese [Lehrer] Buddhas Rat missachten oder weiteren unschuldigen Schülern schaden. (FTI Report, Email vom 29.05.2019, S. 33)

      Antworten
      • 9. September 2022 um 15:37
        Permalink

        PS: Volles Schreiben in English – kann man via http://www.deepl.com kostenfrei und in sehr guter Qualität übersetzen lassen:

        I am writing to you to restate His Holiness’ stand on spiritual teachers who abuse their position.

        The Dalai Lama’s advice on spiritual teachers who abuse their position

        First of all. His Holiness advises to check a Guru or teacher’s qualifications carefully and to view him or her as a teacher or lecturer until one is fully convinced that the teacher practices what he / she preaches.

        If the teaching is contrary to mainline teachings, the student should be able to take a stand and not blindly follow that path. Even if the teacher may have done other good things should not keep one silent.

        In short. His Holiness advises that whenever exploitation, sexual abuse or any other forms of abuse happens, one should make them public. That’s the only way to stop a teacher’s harmful conduct. Doing so with good motivation is the right way to correct a wrong behaviour – to prevent them from disregarding Buddha’s advice or harming more innocent students.

        Chhime R. Chhoekyapa Secretary
        Office of His Holiness the Dalai Lama
        Thekchen Choeling
        P.0. McLeod Ganj
        Dharamsala 176219
        Himachal Pradesh – India

        FTI Bericht, S. 33

  • 10. September 2022 um 17:36
    Permalink

    Vielen Dank für Deine informative, ausführliche Antwort und die Links!

    Antworten
    • 11. September 2022 um 02:48
      Permalink

      Gerne!
      Das Post habe ich vorhin nach weiteren Recherchen aktualisiert.

      Antworten
  • 12. September 2022 um 12:49
    Permalink

    Natürlich ist es bedauerlich, dass in dem Film die Darstellung der Vorgänge um Matthieu Ricard und die Interviewanfrage an den Dalai Lama nicht korrekt dargestellt wurden und auch nicht ausreichend zwischen Buddhismus und tibetischem Buddhismus differenziert wurde. Ich denke jedoch, dass die Darstellung der komplexen Machtverhältnisse und Beziehungen innerhalb des tibetischen Buddhismus den normalen Zuschauer überfordern würde.

    Tatsache bleibt jedoch, dass der Dalai Lama die Unterschrift unter dem Offenen Brief zurückgezogen hat und sich weiterhin mit den angeschuldigten Lehrern, vor allem mit Sogyal Rinpoche gezeigt hat und sie dadurch legitimiert hat. Bei Sogyal Rinpoche hat er sogar dessen Tempel eingeweiht und sich erst auf öffentlichen Druck hin von ihm distanziert. Ebenso hat die zugesagte Konferenz bis heute nicht stattgefunden. Auch wenn der Dalai Lama keine Lehrer entlassen oder ihnen das Lehren verbieten kann, so hätte er doch mehr Möglichkeiten gehabt, um sich für die Betroffenen einzusetzen, nachdem er von den Anschuldigungen erfahren hat. Diese Sicht kommt mir in dem Fazit des wie immer sehr gut recherierten Artikels etwas zu kurz.

    Antworten
    • 12. September 2022 um 17:35
      Permalink

      Liebe Barbara, danke dir für deinen Kommentar!
      Ich bin mir eher unsicher, ob Differenzierung überfordert. Kann sein. Nicht-Differenzierung lädt aber zu Polarisierung und schwarz-weiß Bildern und Feindbildern ein. Damit wäre mE auch niemandem geholfen. Da Politik – und bei Missbrauch geht es um Politik – Aktion braucht, kann zu viel Differenzierung auch lähmen. Das Zusammenspiel von zu viel Differenzierung, die Handeln lähmt, oder zu wenig Differenzierung, die Aktionismus und Feindbilder (bis zu Hass) in die eine oder andere Richtung befördert, lässt sich ja sehr gut im Rahmen der Pandemie beobachten.
      Vielleicht sitze ich hier zu sehr meinen Vorstellungen von Differenzierung und Aufklärung auf – fair, ehrlich, präzise, differenziert, klar in der Sache, keine Feindbilder erzeugend, gerecht … oder bin schlicht zu parteilich.

      Ja, genau so ist es, wie du im 2. Abschnitt die Tatsachen beschreibst! Ich habe im Übrigen nach Feedback eben noch eine Kritik an Ricard hinzugefügt. Die Kritik am Dalai Lama teile ich und ich hatte ausführlicher auf meinem engl. Blog geschrieben, dass der DL definitiv mehr tun oder hätte anregen können. Ich werde das dahingehend überarbeiten. Danke für dein Feedback!


      PS: Barbara, hier was ich auf meinem engl Blog dazu schrieb:

      I totally agree, the DL could have done by far more – especially keeping his promise to the 1993 conference attendees not to accept the invitations of controversial teachers, or in 2019 to the four survivors (including Ricardo) in Amsterdam to address the topic of abuse in a meeting with religious leaders.

      For instance he could have also suggested an office at the TGIE where people can report abuse and which could either post public statements or a warning or give sober, reliable information upon request about controversial groups or teachers after an investigation has been conducted (similar to a state paid cult information office like SektenInfo Berlin or an academic institution like http://www.inform.ac) etc or or he could have asked for or urged for similar measures that effectively address or inform reliably about abuse and offer help …

      Ich füge etwas Ähnliches in den Beitrag von mir ein.

      Antworten
    • 15. September 2022 um 02:11
      Permalink

      Hinweis: Nach dem Erscheinen des HuffPost Artikels, dem Erhalt einer Email auf meine Fragen an die Filmemacherin und dem Erhalt des Briefes, den Ricard in seiner Replik verwendet, habe ich das Post aktualisiert und die neuen Erkenntnisse und mein Wissen dazu hinzugefügt.

      Antworten
  • 16. September 2022 um 15:15
    Permalink

    Es ist sehr seltsam, dass buddhistische Lehrer, die kein Fehlverhalten von Namkha Rinpoche erlebt haben, Aussagen machen, die rechtlich nicht bewiesen sind. Die Behauptungen einer Niederländerin sind Lügen. Wenn an dieser Frau geforscht worden wäre, hätten sie wissen können, dass diese Frau psychisch krank ist (Schizophrenie) und mehrmals in einer geschlossenen Einrichtung betreut wurde.

    Überprüfen Sie diesen Twitter-Account und Sie werden eine sehr gestörte Person finden – die Person, die in Namkha Rinpoche verliebt war, wie sie behauptete, später mit dem Hohen Dalai Lama verheiratet zu sein….

    [deleted by blog owner, private sphere of survivors has to be respected]

    Wenn Sie denken, dass wir in einer gesunden Gesellschaft leben, in der eine Person wie diese eine Hexenjagd gegen Namkha Rinpoche oder gegen irgendjemand anderen schaffen kann – da stimmt etwas wirklich nicht mit Ihrem Denken.

    Antworten
    • 16. September 2022 um 16:22
      Permalink

      Hans, gegen Namkha Rinpoche wird in der Schweiz geklagt. Die Klägerin hatte sich vor Jahren an mich gewandt. Sie und mindestens eine ander Frau sollen von Namkha Rinpoche massiv geschädigt worden sein. Zum Fall habe ich selbst recherchiert, das (schockierende) Testimony der in der Schweiz klagenden Betroffenen habe ich gelesen. Eine weitere Betroffene als auch Buddhisten, die Namkha Rinpoche kennen, bestätigen mir, dass er Frauen geschadet hat und die Vorwürfe glaubhaft sind. Seine Selbstverteidigung in der Dokumentation ist fast schon ein komödiantischer Witz, wenn das Thema nicht so ernst wäre. Eine Betroffene hat ihr Leid ja auch dem Dalai Lama beim Treffen in Rotterdam geschildert.

      Im Übrigen, Missbrauchsbetroffene als „psychisch krank“ zu denunzieren, ist eine beliebte Denunziationsstrategie. Sie wird fast immer angewandt! (Selbst mich, als jemand der nur Missstände anspricht, hat man mit einer solchen sogar versucht bei Wikipedia zu verunglimpfen und als Editor herauszudrängen.)

      Selbst wenn eine Person psychisch krank sein sollte, das heißt nicht, dass sie nicht missbraucht wurde.

      Allerdings, es gibt (habe ich selbst beobachtet / erfahren) auch falsche Anschuldigungen. Deshalb hatte ich den ersten Kommentar zu Namkha auf meinem englischen Blog nicht frei gegeben. Es war nur eine Person, ich kannte sie nicht, erste Recherchen schienen die Vorwürfe nicht zu bestätigen. Dann wurde das aber von einer anderen Frau und weiteren Personen aus Namkhas Umfeld bestätigt. Ich gehe davon aus, dass die Anschuldigungen stimmen. Ich muss mal nachsehen, ich glaube, die eine Betroffene hat auch vor Gericht gg Namkha gewonnen.

      Im Übrigen gibt es noch viel mehr glaubhafte Vorwürfe, u.a. gegen Karmapa OTD, Sangye Nyempa Rinpoche, weitere stehen in der Pipeline.

      Die Traditionen oder Zentren können einfach anfangen sichere Strukturen zu schaffen, damit Missbrauch angesprochen und gestoppt, sanktioniert und verhindert werden kann, statt ihre ganze Energie in das Leugnen, Verschweigen und die Denunziation, Ausgrenzung, das Verächtlichmachen von Missbrauchsbetroffenen (oder deren Unterstützer:innen & Whistleblower) zu stecken.


      Ein Nachtrag: Grundsätzlich können Vorwürfe natürlich völlig falsch und aus der Luft gegriffen sein. Daher empfehlen mit dem Thema Vertraute beim Vorliegen glaubhafter Vorwürfe das Einsetzen einer unabhängigen Untersuchungskommission. Das hatten Schambhala, Rigpa und FMPT getan. Die unabhängigen Kommissionen bestätigten weitgehend die Vorwürfe bzw. ordneten sie als glaubhaft ein.

      Antworten
  • 30. September 2022 um 09:31
    Permalink

    Ich bin auf Euch gestoßen, weil ich unfreiwillig zur Botschafterin des tibetischen Buddhismus wure, aufgrund meiner Herkunft: Natürlich muss allem mit den rechtlichen Mitteln, die uns im Westen zur Verfügung stehen, nachgegangen werden. Natürlich muss das Leid der Opfer, auch in spiritueller Hinsicht, angemessen adressiert werden. Die dafür zuständigen Organisationsformen gibt es bei uns. Trotzdem muss ich fragen: Cui bono? Hat das auch etwas mit der DL Nachfolge und Shugden zu tun? Da ich nicht im Thema bin, ist das eine ehrlich gemeinte Frage.

    Antworten
    • 30. September 2022 um 11:54
      Permalink

      Nein, das hat nix mit Shugden und der Dalai Lama Nachfolge zu tun. Es hat etwas mit den Protagonisten, den Filmemachern und ARTEs (mangelndem) Qualitätsmanagement zu tun.

      Ich denke beide Filmemacher waren zutiefst geschockt über das was sie herausgefunden haben – dem Leid und Trauma, dem sie begegneten. Sie haben dann wahrscheinlich aus der Hilflosigkeit oder Überforderung heraus nach nem Sündenbock gesucht. Den Dalai Lama und M. Ricard haben sie als Projektionsfläche ausgemacht. Dabei haben sie, so wie ich das einschätze, die Wut und Projektionen eines der traumatisierten Opfer und besonders der Trimondis-gleiche Anti-Dalai-Lama Trip von Rob Hogendoorn unterstützt und beeinflusst. Deren Narrative und Interpretationen (Projektionen) haben sie übernommen.

      Obwohl sie differenzierendes Material – zB zur Rolle des Dalai Lama – hatten, haben sie es nicht genutzt. Sie haben es bewusst weggelassen und lieber Stephen Batchelors falsche Darstellung vom „Kirchenoberhaupt“ übernommen.

      Wahrscheinlich kommt noch dazu, dass investigative Journalisten eher sich auf Personen als Strukturen konzentrieren, na und einen „Denkmalsturz“ gg. 2 berühmte Buddhisten zu initiieren oder einzuleiten, ist spannend und bringt auch hohe Aufmerksamkeit.

      Ich gehe davon aus, dass beide aufrichtig geschockt und berührt waren. Die Frage ist dann nur, wie interpretierst, sortierst du das. Dummerweise haben sie keine adäquate akademische Hilfe / Stimmen für die Einordnung zu Rate gezogen bzw. auf solche nicht gehört und sie auch bewusst nicht genutzt.

      Wandrille Lanos arbeitet wohl im Charlie Hebdo Gebäude und sei Zeuge des Massaker dort geworden.* Auch das, oder möglicherweise eine anti-religiöse Einstellung / Agenda, könnten eine Rolle spielen.

      * https://www.cbc.ca/player/play/2646462008

      Antworten

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